Veronika Carver: Nebby Dove


Der Klappentext beschreibt das Buch nicht wirklich: Statt einem rasanten Abenteuer bekommen wir eher langsames Worldbuilding. Vieles war hier gut gelungen, auf Handlungsebene hätte ich mir jedoch wirklich mehr Zug gewünscht.
Schreibstil:
Im Wesentlichen ist der Text angenehm zu lesen und auch bildhaft. Am Anfang hatte ich allerdings das Gefühl, dass ein wenig zu viele Infos in Gedanken und Dialoge gepackt werden – eher beiläufig zwar, aber eben doch. Wenn die Figuren plötzlich Dinge erwähnen, die sie eigentlich wissen sollten und sich deswegen gezielt an die Leser*innen richten, bricht das den Text in meinen Augen. Das hätte man eleganter lösen können.
4,5 Sterne
Charaktere:
Die Figuren sind interessant, unterschiedlich und glaubhaft. Sie werden sich nicht in mein Gedächtnis einbrennen, aber man folgt ihnen auf jeden Fall gerne.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Schon am Anfang bin ich nicht so richtig reingekommen. Es war nicht klar, was der größere Konflikt ist (okay, der rote Wal, aber das war etwas wenig) und mir ist einfach nicht genug passiert. Über 100 Seiten hinweg wirkte es mehr wie eine Einführung in die Welt. Lynx war dabei noch interessanter als Tracy, die nur Alltagsdingen nachging. Was der Klappentext verrät, passiert erst etwa ab der Hälfte des Buches. Das ist mir persönlich alles zu spät. Lieber 100 Seiten weniger und dafür Tempo. In der zweiten Hälfte passierte zwar mehr, aber zu dem Zeitpunkt war ich dann leider schon etwas zermürbt von der ewigen Einführung, sodass mein Interesse dann auch nicht mehr so hoch war.
3 Sterne
Tiefgang:
Der Roman befasst sich mit gesellschaftlichen Problemen und gibt dabei auch einige interessante Gedanken wieder. Unterhaltung mag hier im Vordergrund stehen, aber es gibt doch ein paar Denkansätze.
4 Sterne
Worldbuilding:
Hier ist auf jeden Fall viel los: Tiermenschen, Luftschiffe, Städte in luftiger Höhe. Das Rad wurde hier zwar nicht neu erfunden, vieles kennt man schon irgendwie. Dennoch ist dieser Mix sicher kein Einheitsbrei und es gibt definitiv interessante Ideen (wie das Einbinden der Höhenkrankheit). Stellenweise war es mir aber etwas zu viel: Es nimmt einiges an Raum an zu erklären, mit welchem Tierwesen wir es hier gerade zu tun haben und es hätte wohl auch ohne funktioniert.
4,5 Sterne
Eigentlich hätte „Nebby Dove“ durchaus das Potenzial für 5 Sterne gehabt: Immerhin funktionieren Schreibstil und Figuren und das Worldbuilding ist auch nicht uninteressant. Aber die Dramaturgie zieht meine Bewertung deutlich runter. Was helfen diese Stärken, wenn es nicht ganz das halbe Buch braucht, um eine interessante Handlung, spannende Konflikte zu entwickeln? Wahrscheinlich hätte sich das Buch für mich auch besser gelesen, wenn es nur Lynx Perspektive gegeben hätte, aber auch hier hätte man straffer erzählen können. Ich denke, Leute, die wirklich Spaß an Worldbuilding haben, können hier durchaus ihre Freude haben. Für mich wäre weniger mehr gewesen.
Gesamtwertung: 4,1 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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