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Scott Lynch: Die Lügen des Locke Lamora (Locke Lamora 1)

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
9. Juli
2 Min. Lesezeit

Dieser Reihenauftakt bedient ein ungewöhnliches Setting, das man so nicht oft findet, und verwebt es mit einer spannenden Handlung und glaubhaften Charakteren.

 

Schreibstil:

 

Der Text liest sich flüssig, hat einen eigenen Ton, der sich auch an die Figuren anpasst und ist interessant konzipiert (was aber eher zur Struktur gehört). Er funktioniert also sehr gut. Leider ist die Übersetzung weniger gut. Das lasse ich in meine Bewertung nicht einfließen, aber es wirkt eben sehr befremdlich, wenn in einer venezianischen Fantasywelt beispielsweise angekettete Priester "Chains" heißen. Wäre es denn so schwer gewesen, ein passendes deutsches Wort zu finden?

 

5 Sterne

 

Charaktere:

 

Wenn ich mich frage, was ist das Herausragende an den Figuren, musste ich erst einmal überlegen. Aber obwohl nicht alle auf den ersten Blick spektakulär wirken, sind sie doch zu jedem Zeitpunkt vollkommen echt und besitzen ihre eigenen Ambivalenzen.

 

5 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Der Roman liest sich flüssig und spannend. Dabei wird auch mit Rückblenden gearbeitet, die immer wieder etwas zum Gesamtbild beitragen. Der Großteil der Handlung ist aus Sicht von Locke erzählt, aber auch hier gibt es immer wieder Abweichungen, wenn sie dem Spannungsbogen dienen. Der Roman schafft es dabei auch, geschickt Informationen zurückzuhalten, ohne, dass es künstlich wirkt. Das einzige, was ich bemängle: Manche Hintergründe wurden vielleicht zu breit erzählt und manchmal nahmen die zum Worldbuilding gehörenden Beschreibungen einen sehr großen Raum ein, sodass es zwar immer Tempo gab, aber eben nicht immer rasant zuging.

 

4,5 Sterne

 

Tiefgang:

 

Hier geht es um menschliche Beweggründe, auch um die Absurdität von diesen. Ebenfalls geht es um Leid und Hierarchien. All das ist gut dargestellt. Tatsächlich hätte ich mir aber an manchen Stellen mehr Tiefe gewünscht. Es gibt schreckliche Verluste, aber das Leben geht dann doch schnell weiter. Für mich hätten Schmerz und Verlust stärker thematisiert werden müssen, um der Thematik besser gerecht zu werden.

 

4 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Camorr ist wohl von Venedig inspiriert, besitzt aber sehr viele Eigenheiten, sodass es keineswegs wie eine fiktionale Kopie wirkt. Dazu gehört nicht nur, dass Camorr offenbar Haifische liebt, sondern auch das magische Elderglas oder die Botanik, die die Welt um eine Vielzahl mehr oder weniger magischer Pflanzen bereichert (die dann auch bildhaft verspeist werden – Essen ist hier ein großes Thema). Wie ich bei "Handlung" schon schrieb, war es für mich vielleicht stellenweise eine Spur zu viel. Aber ungewöhnlich und kreativ ist es definitiv. Auch muss man anmerken: Obwohl es um Diebe und Gangs geht und dabei viele Motive bemüht werden, die man schon aus Mafiafilmen und Co. kennt, driftet es niemals ins Klischee ab.

 

5 Sterne

 

"Die Lügen des Locke Lamora" war für mich ein ungewöhnliches, unterhaltsames Buch, das auf allen Ebenen funktioniert hat. Stellenweise hätte es noch straffer erzählt sein dürfen, stellenweise hätte das Menschliche noch mehr Raum einnehmen dürfen. Aber insgesamt hat mir der Roman gut gefallen und ich werde die Fortsetzungen lesen.  

 

Gesamtwertung: 4,7 Sterne, macht gerundet 5 Sterne


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