Magali Volkmann: Die Republik der Knochen

Aktualisiert: 25. Okt. 2025

High Fantasy auf einer karibischen Insel mit Nekromanten und Piraten klingt auf jedem Fall nach einem Roman abseits ausgetretener Pfade. Abgesehen von dem Setting ist er das aber leider nicht. Insgesamt bleibt das Buch dennoch solide.
Schreibstil:
Der Text ist flüssig zu lesen und erzeugt Bilder. Die Atmosphäre des Settings kommt auf jeden Fall rüber. Manchmal waren mir die Dialoge ein wenig zu konstruiert, aber insgesamt ist das Buch gut geschrieben.
4,5 Sterne
Charaktere:
Die Figuren sind genügend konturiert, damit man ihnen durch die Handlung folgt. Es fehlt aber die Tiefe, wir haben es hier vielmehr mit häufig bedienten Typen zu tun: das Mädchen, das seine Unsicherheit ablegen muss; der junge Taugenichts, der aber ein gutes Herz hat; der kalte Herrscher, dem Macht über Gefühle geht usw. Im Endeffekt haben wir es also mit Stereotypen zu tun – die aber im Kontext durchaus funktionieren (sieht man ab von ein paar Entwicklungen, die mir zu konstruiert waren).
4 Sterne
Handlung und Struktur:
Ein Mord wird aufgeklärt, Geheimnisse gelüftet, eine Beziehung entsteht … Der Roman bietet genug Stoff, um spannend zu sein. Dabei werden viele bekannte Motive abgehandelt, was es für mich recht vorhersehbar gemacht hat. Irgendwie ist nichts passiert, was ich so nicht auch schon irgendwo anders gelesen habe. Zusammen mit dem jungen Alter der Protagonisten würde ich daraus folgen, dass sich der Roman eher an eine jüngere Zielgruppe richtet. Es sind eben doch Coming-of-Age-Themen dabei und das Ganze liest sich eher „leicht“. (Dazu mehr im nächsten Punkt). Wer sich vor allem unterhalten lassen will, wird aber hier wenig zu meckern finden. Ich tue mich schwer, die Handlung nun zu bewerten. Für mich war wenig dabei, aber andererseits kann die Autorin ja auch nichts dafür, dass ich so viel gelesen habe und andere finden hier vielleicht mehr.
4 Sterne
Tiefgang:
Das Buch will unterhalten und das schafft es auch. Es gibt Ansätze, wie die Entwicklung von Selbstbewusstsein einer jungen Figur, die Raum für interessante Fragen ließe. Aber das Ganze ist hier eben doch sehr konventionell abgehandelt. Der Tiefgang fehlt mir hier deshalb leider. Wenn man das Buch als Young-Adult-Roman betrachtet, ist das auch in Ordnung (dass es das wahrscheinlich ist, war für mich beim Kauf allerdings nicht ersichtlich).
Was ich aber auf jeden Fall noch anmerken möchte (und das gilt insbesondere in Bezug auf Young-Adult-Bücher!): Es ist (und ich denke, da spoilere ich nicht zu viel) inzwischen ein häufig eingesetzter Figurentyp: der des in sich gekehrten, mürrischen und unfreundlichen jungen Mannes, der sich im Nachhinein dann aber doch als tiefgründig entpuppt. Ich bin kein Freund davon, weil die Geschichte mit einer solchen Figur meistens auf eine Beziehungskonstellation hinausläuft, in der sich eine Frau in einen Mann verliebt, der sie unfreundlich und abwertend behandelt (auch wenn er sich dann oftmals noch ändert). Wie wäre es denn, entweder mal von respektvollen, sympathischen Männern zu schreiben oder alternativ ihr rüdes Verhalten zu problematisieren (und es eben nicht in eine Liebesbeziehung münden zu lassen)? Selbst wenn der Kerl innen drin eigentlich ein Guter ist, ist das doch eine merkwürdige Voraussetzung für Liebe und lässt die Frau nicht gerade gut dastehen. Hier würde ich mir mehr Reflexion, war derartige Narrative betrifft, wünschen.
Und noch etwas: Was ist denn eigentlich die Moral von der Geschichte? Dass Mord irgendwie doch in Ordnung ist, wenn es nur die richtigen trifft? Sehr merkwürdig.
2 Sterne
Worldbuilding:
Die Idee der Nekrobotanik ist interessant. Die Stadt Anamoya, in der die Handlung spielt, ist eine Art karibisches Venedig. Das ist eine interessante Kombination, die man nicht oft findet. Überhaupt: Das Karibiksetting ist für High Fantasy ungewöhnlich und sticht deswegen positiv hervor. Ein wenig kritisch sehe ich es, dass der karibische Background nicht so ganz ausgeschöpft wird (z.B. indem man lokale Mythologie behandelt), sondern dann doch wieder europäische Geschichte (Venedig) darüber gestülpt wird. Aber dennoch findet man hier mehr Originalität als anderswo.
5 Sterne
„Die Republik der Knochen“ ist ein sehr solides Buch: gut geschrieben, ein interessantes Magiesystem und glaubhafte Charaktere. Aber sowohl Handlung als auch Figuren sind sehr konventionell und Tiefgang findet sich hier auch nicht wirklich. Ich denke, dass sich der Roman eher an eine jüngere Zielgruppe richtet – diese kann hier durchaus ein unterhaltsames Buch finden.
Gesamtwertung: 3,9 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



Kommentare