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Lucas Falk: Der Pfad nach Manjuna (Die gestohlene Sonne 1)

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
21. Okt. 2025
2 Min. Lesezeit
Grimdark Reihe deutsch Dark Fantasy

Dieser Reihenauftakt zeichnet sich durch gutes Handwerk und eine eigenwillige Atmosphäre aus. Dass dabei viele Fragen offenbleiben, gehört zum Konzept.

 

Schreibstil:

 

Der Text liest sich flüssig, ohne Stolpersteine. Es wird bildhaft beschrieben, auch mit schönen Metaphern. Die Dialoge sind rund.

 

5 Sterne

 

Charaktere:

 

Die Handlung wird aus drei Perspektiven erzählt. Die Figuren sind allesamt interessant, individuell und ausgearbeitet. Vor allem Maus wird mir im Gedächtnis bleiben. Die einzelnen Kapitel besitzen auch eigene Erzählstimmen. Kurzum: Ich fand die Figuren sehr gelungen.

 

5 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Der Einstieg ist rasant und spannend und der Roman bleibt dies auch lange. Im zweiten Teil gibt es eine Art Wanderung, die etwas an Tempo verliert, und auch ein Parallelhandlungsstrang scheint ein kleines bisschen zu stagnieren. Gelangweilt habe ich mich aber nie.

 

4,5 Sterne

 

Tiefgang:

 

Das Genre „Grimdark“ hat manchmal die Eigenheit, Gewalt nur um der Gewalt willen zu zeigen. Auch sind die dargestellten Welten oftmals nicht nur düster, sondern zutiefst patriarchal. Und wenn man nun auf dem Klappentext dieses Buchs von einer Hure als Protagonistin liest, könnte man den Verdacht bekommen, dass es hier genau um denselben schon viel zu oft gezeigten patriarchalen Voyeurismus geht. Das ist hier aber definitiv nicht der Fall! Samras Leid wird weder verharmlost noch voyeuristisch ausgeschlachtet. Außerdem richten sich das Leid und die Unterdrückung in dieser Welt eben auch nicht ausschließlich gegen Frauen, die Unterdrücker sind nicht ausschließlich Männer. Es geht hier also deutlich komplexer zu als in anderen Grimdark-Büchern, was ich als angenehme Abwechslung empfunden habe.

 

Manches wird hier andeutungsweise erzählt, ein bisschen Interpretationsspielraum ist also auch immer mit dabei, aber genau das macht ein Buch ja interessant.

 

Dadurch, dass vieles nicht aufgelöst wird, bleibt noch offen, welche Haltung der Text zu bestimmten Themen einnimmt. Das müssen dann wohl die Folgebände beantworten.

 

4,5 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Es gibt hier nordische Einflüsse, ein kleines bisschen altes Rom, Ghetto-Bandenkriege, dazu eine Parallelwelt mit düster-märchenhafter Natur. Vor allem Letzteres ist ungewöhnlich. Aber auch in der Gesamtheit gab es viele kreative Ideen, die mir gefallen haben.

 

5 Sterne

 

Dieses Buch ist eine dieser Selfpublishing-Perlen, die man so selten findet. Schreibstil, Charaktere, Handlung funktionieren auf hohem Niveau. Weil aber vieles nur in Andeutungen erzählt wird, dürfte der Roman nicht für jeden was sein. Weder als kleiner Happen zwischendurch noch als Entspannungslektüre zum Abtauchen dürfte das Buch geeignet sein. Denn die düstere Welt ist oft beklemmend und eigene Interpretationsansätze sind unbedingt gefragt.

 

Gesamtwertung: 4,8 Sterne, macht gerundet 5 Sterne

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