Sarah J. Maas: Dornen und Rosen. Das Reich der sieben Höfe 1


Vorweg: Ich hätte mir das Buch nicht gekauft, es kam auf anderem Weg zu mir. Gelesen habe ich es nur aus Interesse an dem Hype. Schlauer bin ich nun aber nicht. Denn ich konnte dem Roman kaum etwas abgewinnen.
Schreibstil:
Im Wesentlichen ist der Schreibstil flüssig und auch bildhaft. Manchmal gibt es allerdings Stellen, die vor Adjektiven strotzen, ungeschickt überladen wirken. Oder auch plumpe, stereotype Formulierungen wie „Mir gefror das Blut in den Adern.“ – besonders ärgerlich ist dabei, dass diese sich andauernd wiederholen, so, als gäbe es sonst keine Wörter, um Gefühle zu beschreiben. Ich habe schon Schlechteres gelesen, aber es gibt auch noch Luft nach oben.
Sehr störend allerdings: die Übersetzung. Das ist ein deutsches Buch, das eine Fantasywelt beschreibt – was soll das sein, „High Fae“? Englische Begriffe finde ich hier maximal unpassend.
4 Sterne
Charaktere:
Die eine Schwester der Protagonistin ist klischeehaft eitel und naiv, die andere klischeehaft gemein und sonst nichts, was die Figuren in irgendeiner Art und Weise auszeichnet. Feyre selbst ist irgendetwas zwischen tatkräftig und Opferlamm, nicht wirklich konturiert, aber vermutlich akzeptabel, wenn auch in ihrem Gebaren sehr plump. Tamlin wiederum ist nur eine Projektion – ein leeres Abziehbild stereotyp ideal-männlicher Zuschreibungen, sicher mit dem Ziel, dass Leser*innen ihn anschmachten können. Bei mir hat’s nicht funktioniert, ganz im Gegenteil. Ich finde alle Figuren durch und durch langweilig. Ginge es hier mehr um die Handlung, könnte das vielleicht in den Hintergrund rücken. Aber eine Beziehungsthematik kann in meinen Augen nur dann interessant sein, wenn die Beteiligten auch Persönlichkeit haben.
Wofür ich nochmal extra einen halben Stern abziehe: Die Handlungen der Protagonistin sind oft so unlogisch, selbst für eine impulsive Persönlichkeit. Ich hatte meistens das Gefühl, dass etwas gerade passiert, weil es der Plot vorgibt und nicht, weil es tatsächlich zur Figurenmotivation passt. Das ist nicht gut gemacht.
1,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Die Handlung zieht sich. Einzelnen Szenen sind spannend aufgebaut, aber dazwischen gibt es auch viel Unwichtiges, das man in meinen Augen gerne hätte streichen können. Es plätschert alles recht belanglos vor sich hin, sodass ich mich ziemlich gelangweilt habe.
2 Sterne
Tiefgang:
Auf Tiefgang ist das Buch nicht ausgerichtet, sondern auf Unterhaltung. Wenn das immerhin gut gemacht ist, gibt es bei mir drei Sterne. Hier kommt allerdings eine Menge zusammen, was mich stört: Ein uralter Unsterblicher und eine 19-Jährige, das ist alles, aber sicher keine Beziehung auf Augenhöhe, was der Roman aber in keinster Weise reflektiert. Dass der Beziehungspartner auch so einige Red Flags sein Eigen nennen darf, stört wohl auch nicht.
Dann gibt es noch so einige merkwürdige Verwicklungen: Wie das Fest, bei dem alle Frauen zusammenkommen und danach schmachten, sich eine Nacht lang auf eine anonyme Art und Weise von ihrem besessenen Lord bespringen zu lassen. Sicher, als junge Frau kann man sich nichts Tolleres vorstellen. *Ironie off. Jedenfalls, die anderen Männer dürfen dann nach ihrem Lord wählen. Die Männer. Nicht die Frauen. Da stellt sich doch sehr die Frage, ob wir es hier mit einer Vergewaltigungsorgie zu tun haben oder was das denn sonst sein soll. Der Roman beantwortet das jedenfalls nicht, sondern lässt es mal eben so stehen.
Ich fasse zusammen: Furchtbare Genderzuschreibungen und Beziehungskonzepte. Gerade, weil das Buch ja doch auch an jugendliche Leser*innen vermarktet wird, finde ich das extrem problematisch.
1 Stern
Worldbuilding:
Feen sind mal was anderes und manches an der Welt war auch schön ausgestaltet. Sie wirkt an vielen Stellen barock, was jedenfalls noch nicht ausgetreten ist. Allerdings gab es auch doch einige Klischees, die ich aber an dieser Stelle nicht spoilern will. Ob diese Kritik in dieser Kategorie am richtigen Platz ist, weiß ich nicht, aber irgendwo muss sie ja hin. Logik und Konsistenz ist jedenfalls nicht die Stärke des Romans.
3,5 Sterne
Es ist offensichtlich, dass ich nicht die Zielgruppe für dieses Buch bin. Weder konnte es mich handwerklich überzeugen noch gab es inhaltliche Aspekte, die mich interessiert hätten. Ich empfand es als sehr langweilig, auch als plump. Die Romantisierung fragwürdiger Beziehungen und die Genderzuschreibungen haben mich regelrecht geärgert. Die Botschaften, die der Text vermittelt, halte ich gerade für jüngere Leser*innen für gefährlich. Absolut keine Empfehlung von mir.
Gesamtwertung: 2,4 Sterne, macht gerundet 2 Sterne



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