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Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
6. Sept. 2025
3 Min. Lesezeit

Elfen Zwerge philosophische Fantasy

In meiner Jugend habe ich ein paar der Jugendbücher der Autorin sehr gerne gelesen. Jetzt wollte ich sehen, ob mir im erwachsenen Zustand auch die erwachsenen Bücher gefallen. Für mich war nicht alles perfekt, aber insgesamt ist „Die Töchter von Ilian“ auf jeden Fall ein lohnendes Buch.

 

Schreibstil:

 

Der Schreibstil ist flüssig und vor allem bildhaft. Durch Details werden Schauplätze atmosphärisch entwickelt und es gibt einige schöne Vergleiche. Kurzum: Der Schreibstil ist sehr gelungen und der Text war rundum angenehm zu lesen.

 

5 Sterne

 

Charaktere:

 

Die Figuren sind keine Stereotype. Allerdings weiß ich auch nicht so recht etwas mit ihnen anzufangen. Weder Walgreta noch Fayanú sind sympathisch – das müssen sie für mich allerdings auch nicht sein, wenn sie denn interessant wären. Allerdings konnte ich ihre Beweggründe oft nicht nachvollziehen. Rianon und Mauskin blieben für mich eher blass. Insgesamt ließen sich die verschiedenen Perspektiven aber trotzdem gut lesen. Weil eine Figur wie Fayanú aber sicher ungewöhnlich ist (jedenfalls habe ich im Bereich High Fantasy gerade nichts Vergleichbares im Kopf), gibt`s einen Bonus-halben-Punkt.

 

4,5 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Es gab immer wieder spannende Passagen, dazwischen aber auch einige zähe. Gerade am Anfang hat Rianons Perspektive für mich wenig beigetragen und Mauskin fand ich bis zum Schluss verzichtbar. Auch hatte ich eher am Anfang (ca. 200 Seiten) zwischendurch das Gefühl, dass das Wichtigste eigentlich schon durch ist und jetzt nur noch Nachgeplänkel folgt. Dennoch habe ich das Buch nicht ungern gelesen. Am Ende wurde es wieder flotter.

 

4 Sterne

 

Tiefgang:

 

An dieser Stelle habe ich viele verschiedene Gedanken, ich reiße ein paar an.

 

Zum einen war mit die Beziehung nicht wirklich glaubhaft. Ich habe nicht recht verstanden, was die beiden eigentlich voneinander wollen. Es gibt schon eine zaghafte Erklärung im Text (zumindest zu einer Seite), aber irgendwie wusste ich nie so recht, was da eigentlich verbindet außer vielleicht körperliche Anziehung. Das fand ich schwach.

 

Es stehen Dynamiken wie Macht und Machterhalt im Mittelpunkt, es geht auch viel um weibliche Unterdrückung. Das fand ich grundsätzlich gut und interessant, wobei ich generell nicht ganz zufrieden bin mit Gesellschaftsentwürfen, die sich so stark auf Geschlechtlichkeit beziehen.

 

Zum Themenkomplex Geschlechtlichkeit fällt sicherlich auch die Darstellung einer trans Person. Auch das ist interessant und wenig ausgetreten. Dem Roman wurde von manchen Seiten Transfeindlichkeit vorgeworfen – in meinen Augen eine wirklich absurde Anschuldigung. Dass ausgerechnet der trans Person die schlimmsten Dinge passieren, kann man womöglich tatsächlich fraglich finden. Dass allerdings das Umfeld die Identität nicht immer anerkennt, ist angesichts des Weltentwurfs nur logisch – der Text selbst bezieht aber immer Stellung für die betroffene Figur.

 

Auf Handlungsebene fand ich manche Verwicklungen etwas oberflächlich. Andere Entwicklungen hingegen regen wirklich zum Nachdenken an.

 

Alles zusammengenommen tue ich mich schwer, an dieser Stelle eine vernünftige Bewertung abzugeben. Es gab für mich ein paar Schwächen, andererseits aber auch Aspekte, die der Roman sehr viel besser macht als die meisten vergleichbaren Bücher. Schon allein, dass ich an dieser Stelle so viel zu schreiben habe, ist sicherlich ein positives Zeichen. Deswegen nun doch volle Punktzahl.

 

5 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Magische Artefakte und dann auch noch Elfen und Zwerge halte ich ganz grundsätzlich für extrem unoriginell. Allerdings muss man sagen, dass hier Vieles neu interpretiert wurde und es auch eine Menge kreativer Ideen und ausgestalteter Schauplätze gibt. Auch sind vor allem die Zwerge deutlich entgegen der üblichen Muster gestaltet – anstelle von Männlichkeitsklischees (von Biertrinken, derben Witzen, wuchernden Bärten und dem Werfen von Streitäxten) gibt es starke weibliche Zuschreiben. Das ist dann schon wieder irgendwie pfiffig.

 

4,5 Sterne

 

Bei diesem Roman habe ich merkwürdige, ambivalente Gefühle. Es gab ein paar Dinge, die mir nicht gepasst haben: Figuren, Handlung, bestimmte Verwicklungen oder allgemein das Setting mit Elfen und Zwergen. Auf der anderen Seite ist das Ganze aber auch sehr gut geschrieben, kreativ und durchaus tiefgängig, insgesamt also handwerklich auf einem hohem Niveau, das man so nicht alle Tage findet. Gerade das interessante Ende hat mich irgendwie aber auch versöhnt.

 

Das Buch ist aber bestimmt nicht für jeden etwas, gerade, weil die Figuren nicht sympathisch sind, das Ende auch nicht gerade spaßig ist und es ganz generell auch viel Gewalt gibt. Will heißen: Stellenweise ist der Roman schon auch ein Stimmungskiller. Wer also etwas zum Träumen und Abtauchen sucht, möge hiervon die Finger lassen. Wer etwas Ungewöhnliches mit interessanten Fragestellungen lesen will, sollte zugreifen.

 

Gesamtwertung: 4,6 Sterne, macht gerundet 5 Sterne

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