R. F. Kuang: Die Kaiserin (Im Zeichen der Mohnblume 2)


Der Vorgängerband hat mir gut gefallen und hatte höchstens kleine, vernachlässigbare Schwächen. Leider haben sich diese jedoch bei Band 2 ausgewachsen. Das Buch ist immer noch gut – kommt aber nicht an Band 1 heran.
Schreibstil:
Wie in Band 1: flüssig, schnörkellos, aber durchaus mit atmosphärischen Details.
5 Sterne
Charaktere:
Rin funktioniert nach wie vor, wobei ich sie immer noch nicht so wirklich interessant finde. Glaubhaft aber doch.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Der Vorgängerband war sehr spannend – am Anfang, als Beziehungen, Verwicklungen, Magie noch unklar waren und es darum ging, diese Aspekte nach und nach aufzuklären. War dies erst einmal geschehen, hat der Roman deutlich an Spannung verloren. Diese Schwäche zieht sich auch durch Band 2. Langweilig war das Buch nun nicht, aber es verläuft recht gleichförmig, ohne Fragen, die unter den Nägeln brennen und dadurch zum Weiterlesen anregen würden. Auch gab es gerade ab der zweiten Hälfte des Romans einige Ereignisse, die mir zu konstruiert und dadurch zu wenig glaubhaft wirkten. Hier ist also definitiv Luft nach oben.
3 Sterne
Tiefgang:
Es geht auch hier wieder um Krieg und reflektiert die Beweggründe der Menschen und den Umgang mit den Folgen ihrer Taten. Das ist wie im Vorgänger auch schon sehr gut gelungen und war interessant. Auch hier gibt es Grausamkeiten – wenn der Krieg ganz bewusst auf dem Rücken von Zivilisten ausgetragen wird. Ganz so brutal wie in Band 1 ist es dann aber doch nicht. Insgesamt regt der Roman auf jeden Fall zum Nachdenken an.
5 Sterne
Worldbuilding:
Ich tue mich auch wie schon bei Band 1 ein wenig schwer, die Welt einzuordnen. Auf der einen Seite haben wir die Opiumkriege und auch Kanonen, gekämpft wird aber in erster Linie mit Schwertern. Das spricht für das 19. Jahrhundert. Einige Elemente wie das Giftgas oder die medizinischen Experimente stammen aber definitiv aus dem 20. bzw. dem Zweiten Weltkrieg. Dazu würden dann aber eigentlich noch andere moderne Technologien gehören wie Autos und Flugzeuge. Diese Inkonsistenzen haben mich manchmal irritiert. Aber selbst, wenn man das berücksichtigt, ist das Setting trotzdem um so viel origineller als in anderen Fantasyromanen, dass ich dennoch 5 Sterne gebe.
5 Sterne
Der zweite Band von „Im Zeichen der Mohnblume“ ist allein durch das originelle Setting und den Fokus auf menschliche Beweggründe sehr lesenswert. Die Handlung ist jedoch über weite Strecken zäh – und das ist bei einem Buch, das knapp 800 Seiten zählt, natürlich unvorteilhaft. Wer nach einem Pageturner sucht, wird hier also wahrscheinlich nicht fündig werden.
Gesamtwertung: 4,5 Sterne, macht gerundet 5 Sterne



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