Ken Liu: Die Schwerter von Dara (Seidenkrieger 1)


Das Buch bietet ein interessantes Setting, das an das alte China angelehnt ist, das aber mit Luftschiffen kombiniert. Das ist auf jeden Fall spannend – der Rest des Romans eher weniger. Ein zäh zu lesendes Buch.
Schreibstil:
Der Schreibstil erzählt durchaus Bilder, aber manchmal ist er zäh. Dazu gehört beispielsweise, dass wir gleich auf der ersten Seite des Buches einen Absatz lang Rückblende haben (sinngemäß „sie hatten dies getan und sie hatten das getan“), was man auch eleganter hätte lösen können. Das setzt sich dann fort und wir bekommen Info, Info, Info. Auch die Perspektiven sind nicht ganz klar. In einem Abschnitt geht es noch darum, was der Kaiser meint und dann, was die Menschen spüren. Und die Figur, um die es eigentlich geht, wird dann auch mal als „der junge Mann“ bezeichnet. Das erzeugt Distanz. Natürlich kann diese gewollt sein, hier hatte sie für mich aber keinen Mehrwert. Die Dialoge wirken stellenweise gekünstelt – sie sollen Informationen vermitteln zu Lasten der Figurenzeichnung. Auch wird viel einfach behauptet („Er war beeindruckt“) statt die Gefühle durch den Text zu transportieren. Auch das schadet der Figurenzeichnung. Manchmal werden Handlungsabschnitte einfach zusammengefasst (das fällt aber eher unter den Punkt „Handlung“). Diese fehlende Klarheit, oft fehlende Präzision, fehlende Nähe macht den Text zäh zu lesen, obwohl er, was Bildhaftigkeit betrifft, durchaus etwas zu bieten hätte.
3 Sterne
Charaktere:
Das war wahrscheinlich mein Hauptproblem mit dem Buch. Dass die Figuren sehr oberflächlich bleiben, hat sicherlich auch viel mit dem Schreibstil zu tun. Bis zum Ende waren Kuni und Mata für mich eher Schablonen, denen ein paar Eigenschaften zugeschrieben werden, die man aber nicht so wirklich abnimmt. Denn sie werden mehr behauptet als gezeigt und es fehlen eigene Erzählstimmen. Dazu gehört auch, dass die Beziehung zwischen den beiden sehr schwer abzunehmen ist. Sie tönen zwar immer laut, dass sie sich nahe wie Brüder sind, aber ihre Handlungen zeigen das nicht wirklich. (Und irgendwie gibt’s auch keine wirklich wichtigen Frauen. Das sagt zwar nichts über die Qualität an sich aus, aber irgendwie fand ich’s trotzdem blöd.)
2,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Ein Teil der Probleme, die ich mit dem Roman habe, habe ich ja schon unter „Schreibstil“ erwähnt. Es wird ein langer Zeitabschnitt im Leben der beiden Protagonisten erzählt und so werden Ereignisse auch mal gerne zusammengefasst. Das ist der Spannung aber sicher nicht zuträglich. Es hat gedauert, bis ich in das Buch hineingekommen bin, dann wurde es besser. Aber wirklich gepackt hat es mich bis zum Schluss nicht.
3 Sterne
Tiefgang:
Es geht hier viel um politische Intrigen, Macht, Machterhalt, Verrat. Auch ist der Roman wohl von historischen Ereignissen im alten China inspiriert und gibt damit einen guten Einblick in diese Epoche. Das fand ich alles tatsächlich interessant … wobei ich da mit einem Sachbuch wohl auch zufriedengestellt wäre. Oft wird die tatsächliche Aufarbeitung den angestrebten Themen aber auch nicht gerecht: So wird Kuni immer als toller Anführer dargestellt, der alle Schwierigkeiten einfach hinter sich wirft. Das dürfte in der Realität kaum so munter ablaufen. Da hätte ich mir mehr Ambivalenz gewünscht. Denn die moralisch fragwürdigen Entscheidungen wälzt der Roman dann gerne auf andere ab, sodass Kuni der strahlende Held bleiben kann.
3,5 Sterne
Worldbuilding:
Was die Welt betrifft, spürt man an jeder Stelle, dass der Autor hier sein volles Augenmerk darauf gerichtet hat. Wir befinden uns in einem Asiensetting, aber mit Luftschiffen. Das macht es schwer, einzuordnen, denn die Welt an sich scheint sich noch nicht im Luftschiffzeitalter zu befinden, vielmehr wurde diese Technologie hier offenbar früher entdeckt (und da spricht ja auch nichts dagegen – vielleicht ist es nicht immer so 100-prozentig logisch, aber das sehe ich hier mal nach). Wenn man möchte, kann man das Ganze „Silkpunk“ nennen, ich denke aber, der Begriff dient mehr dem Marketing, als tatsächlich eine einheitliche Strömung abzubilden. Jedenfalls ist die an China angelehnte Welt detailreich, bildhaft, gut recherchiert und ungewöhnlich. Dafür gibt es von mir volle Punktzahl.
5 Sterne
Für mich war „Die Schwerter von Dara“ ein schwieriges Buch, von dem ich mir mehr erhofft hätte. Politik und Setting waren interessant, aber letztlich ist das ja mehr die Hülle und kann den schwachen Kern nicht retten. Die stellenetwas zähe Handlung hätte ich noch nachgesehen, aber wenn dann auch Charaktere und Schreibstil nicht überzeugen, lässt mein Interesse dann doch schnell nach. Kurzum: Das Buch ist irgendwie interessant. Irgendwie aber auch echt zäh. Ich werde nicht weiterlesen.
Gesamtwertung: 3,4 Sterne, macht gerundet 3 Sterne



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