R. F. Kuang: Die Erlöserin (Im Zeichen der Mohnblume 3)


Band 2 konnte auf vielen Ebenen punkten – was eine packende Handlung betraf aber eher nicht. Das Problem setzt sich hier fort. Es fehlen die spannenden Fragen, auf deren Aufklärung man wartet. Ansonsten besitzt das Buch zwar auch die bekannten Stärken, aber in diesem Fall trugen sie für mich leider nicht mehr den ganzen Roman.
Schreibstil:
Flüssig.
5 Sterne
Charaktere:
Rin hat sich über die Bände stetig weiterentwickelt. Und diese Entwicklung ist nicht positiv. Doch sie hat Tiefe und ist dadurch interessant.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Dass die Autorin eigentlich Spannung erzeugen könnte, hat sie in Teil 1 von Band 1 bewiesen. Der Rest des Buches war schwächer, auch Band 2 war schwächer und in Band 3 gipfeln nun diese Schwächen. Auf 800 Seiten schleppt sich eine endlose Kriegshandlung dahin, die deswegen nicht interessant ist, weil wir sie ja schon aus den vorherigen 1500 Seiten kennen – irgendwann kann das Konzept einfach nichts mehr Neues bieten, vor allem dann nicht, wenn es auch noch aus andauerndem Gerede besteht, das letztlich zu nichts führt.
Außerdem gibt es Wendungen, die mir unglaubwürdig erscheinen. Das fiel mir schon in Band 2 auf. Hier ist es nun, im Nachhinein betrachtet, besonders deutlich. Nehmen wir beispielsweise Daji: In Band 2 hieß es mehrfach, sie wolle Rin nicht töten, denn sie hätte Angst vor ihr bzw. sie würde sie noch brauchen. Daji kommt nun auch in diesem Band weiterhin vor, aber wozu sie denn nun eigentlich Rin braucht und welchen Sinn ihre Handlungen überhaupt haben sollen, wird niemals klar. Im Gegenteil: Ihre Ziele scheinen keiner nachvollziehbaren Logik zu folgen außer der, dass das Buch ja irgendeinen Inhalt haben muss. Mir schien es so, als hätte sich die Autorin hier einfach treiben lassen zulasten von Konsistenz und Stringenz.
Andere auf Handlungsebene interessante Aspekte wie beispielsweise Rins Herkunft werden zwar gestreift, aber nie richtig aufklärt. Ich habe bis zum Ende darauf gewartet, dass hier nun noch eine bestimmte Enthüllung folgt, aber es passierte einfach nichts. Und so war es die letzten 300, spätestens 200 Seiten wirklich hart, das Buch überhaupt noch zu Ende zu lesen. Zumal das Ende dann nur noch wie ein oberflächlicher Abriss einer notwendigen Entwicklung wirkte. Das ist wirklich schade. Ich hätte hier gerne mehr Sterne gegeben, aber ich sehe nicht, wie.
1 Stern
Tiefgang:
Es geht um Krieg, um Verrat und Herrschaft. Das ist nach wie vor gelungen.
5 Sterne
Worldbuilding:
Wie gehabt. Die chinesische Kultur wird auch hier sehr tief und facettenreich aufbereitet.
5 Sterne
Es ist sehr schwierig, eine Bewertung für dieses Buch zu finden. Auf vielen Ebenen ist es wirklich gut gemacht, aber wie viel nützt das tatsächlich, wenn die Handlung überhaupt nicht funktioniert? Wenn ich nun den Sternedurchschnitt ausrechne, bin ich immer noch bei guten 4, was mir irgendwie falsch erscheint angesichts dessen, dass ich am Schluss kaum mehr Interesse an dem Roman hatte. Aber sei es, wie es sei.
Gesamtwertung: 4,1 Sterne, macht gerundet 4 Sterne
Insgesamt hat mir die Buchreihe gefallen. Sie punktet durch einen angenehmen Schreibstil, ein frisches Setting, gut entwickelte Charaktere und Tiefgang. Die Schattenseiten menschlicher Beweggründe werden hier viel reflektiert, sodass die Bücher immer wieder zum Nachdenken anregen und das war sehr willkommen.
Ich bin mir jedoch sicher, dass sie nicht für jede*n etwas sind. Wer sympathische Figuren mit Identifikationspotenzial sucht, wird hier sicher keinen Spaß haben. Und auch die überaus brutale Schilderung einer nicht abreißenden Reihe an Kriegsverbrechen muss man ertragen können. Darüber hinaus geht es extrem viel um Militärstrategie – wer das nicht interessant findet, braucht nicht zu den Romanen greifen. Und auch plot-orientierte Pageturner sind die Bücher eher nicht (höchstens Teil 1 von Band 1).
Gerade Band 3 schwächelt aber leider doch stark. Hier und auch in Band 2 sehe ich doch Einiges an verschenktem Potenzial. Das ist nicht nur schade, es ist eigentlich schon dramatisch, weil der Rest so gut. Und Band 3 hat die Reihe nun in ihrer Gesamtwertung auch die 5 Sterne gekostet. Festhalten kann ich aber, dass mir zumindest das Gesamtkonzept noch lange auf positive Weise im Gedächtnis bleiben wird.
Gesamtwertung der Reihe: 4,4 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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