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Michael Schwendinger: Wer Mond und Blut berührt

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
7. Mai
2 Min. Lesezeit

Das Cover dieses Romans verspricht eine klassisch orientalische Fantasygeschichte. Dieses Versprechen kann das Buch auch halten. Auf etwa 290 Seiten geht es um Verwicklungen und Schicksale in einer Wüstenstadt, die der Text bildhaft zum Leben erweckt.

 

Schreibstil:

 

Der Schreibstil ist reduziert – Interpretationen überbleiben den Lesenden, was ich als sehr angenehm empfand. Dabei ist die Sprache aber gleichzeitig bildhaft, angereichert mit visuellen Eindrücken und Gerüchen (die sind mir besonders aufgefallen). Die Atmosphäre der Wüstenstadt kommt dadurch gut rüber. Der Text ist individuell und hat eine eigene Stimme – keine Massenware, auf gar keinen Fall austauschbar.

 

5 Sterne

 

Charaktere:

 

Zu den Charakteren muss man sich Stück für Stück vorarbeiten, sie kennenlernen. Denn zunächst wissen wir aufgrund des verknappenden Stils nicht, mit wem wir es zu tun haben. Nach und nach ergibt sich aber ein immer deutlicheres Bild und auch eigene Erzählstimmen kristallisieren sich heraus. Tuan und Kayla sind nicht ungewöhnlich, aber sie sind auf jeden Fall glaubhaft.

 

4,5 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Die Handlung geht flott voran. Auch, weil die Kapitel kurz sind, war das Buch für mich stets flüssig zu lesen. Zumindest bei Tuan ist am Anfang noch nicht ganz klar, wo die Reise hingeht (bei Kayla geht es da schon dramatischer zu). Im Verlauf nimmt das Tempo deshalb zu, vielleicht mit einem kleinen Durchhänger in der Mitte und dann wieder Zug am Ende.

 

4,5 Sterne

 

Tiefgang:

 

Die Schreibweise an sich sorgt dafür, dass Mitdenken bei diesem Roman durchaus gefragt ist. Denn es wird nicht alles ausgewälzt, die Leser*innen sind zur Interpretation eingeladen. Sieht man davon ab, sind die Themen aber nicht komplex. Es gibt Intrigen und Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden.

 

4 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Die Wüstenstadt ist typisch, eben so, wie man es erwarten würde, wenn man zu einem Märchen aus 1001 Nacht greift. Hier passiert also nichts komplett Neues – aber in meinen Augen hebt sich das Setting dennoch vom typischen High-Fantasy-Mittelalter ab, zumal es hervorragend bildhaft umgesetzt ist.

 

5 Sterne

 

Das Buch erklärt nicht, spart vieles aus, arbeitet auch mit verknappten Gedankenfetzen oder Eindrücken. Deswegen wird es nicht für jede*n etwas sein. Wer aber bereit ist, ausgetretene Pfade zu verlassen, findet hier einen unterhaltsamen Roman, der für mich hervorragend funktioniert hat. Gerne mehr davon.

 

Gesamtwertung: 4,6 Sterne, macht gerundet 5 Sterne

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