Chelsea Abdullah: Der Sternenstaubdieb


Das Buch habe ich in einer Leserunde gewonnen. Ich mag Settings außerhalb von Europa sehr gerne und diese arabische Fantasywelt hat mich interessiert. In dieser Hinsicht hat das Buch sein Versprechen auch gehalten, das Worldbuilding hat mich überzeugt – gerade, was Charaktere und Spannungsbogen betrifft, schwächelt der Roman aber etwas.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist weitgehend glatt. Insgesamt wird mir ein kleines bisschen zu viel erklärt und es hätten auch ruhig mehr (oder überhaupt) Metaphern drin sein dürfen. Auch Wortwiederholungen sind mir hin und wieder störend aufgefallen. Da weiß ich nun natürlich nicht, ob das an der Übersetzung liegt und im Original auch so ist. Aber insgesamt ist der Text gut lesbar und ein paar atmosphärische Details gab es durchaus.
Natürlich ist da auch noch die Sache mit den genderneutralen Pronomen. Für eine Nebenfigur wurde hier „sier“ verwendet und durchdekliniert von „siesen“, „dier“ bis „einin“. Das Problem ist, dass diese Pronomen in der Alltagssprache nicht wirklich etabliert sind, sodass sie schnell zur Stolperfalle werden. Aber wenn man sie nicht verwendet, etablieren sie sich natürlich auch nie. Deswegen bin ich da zwiegespalten. Wenn schon genderneutrales Pronomen, dann hätte ich aber „dey/dem“ bevorzugt. Das lese ich häufiger und finde es auch besser in die deutsche Sprache integrierbar als das merkwürdige „sier“. Allerdings hat „dey“ weniger Deklinationsformen, wahrscheinlich war das der Grund, aus dem die Wahl auf „sier“ fiel. Aber gerade die vielen verschiedenen Formen („einin“ kannte ich beispielsweise gar nicht) machen es nicht leichter. Nun ja, so ist es wohl.
4 Sterne
Charaktere:
Die Figuren haben ein paar Eigenschaften, Tiefgang aber kaum. Loulies Motivation wurde mir nie richtig klar, vieles wirkte konstruiert. Hinzu kam, dass im Buch zwar öfter steht, dass sie so eine beeindruckende Person ist, der Roman dies aber nicht wirklich zeigt: Sie ist einfach nur ein herumstreunendes, kopflos agierendes Mädchen, das sich von Männern mal dahin, mal dorthin schieben lässt und höchstens reagiert. Ich konnte die Figur deswegen nicht wirklich ernstnehmen. Die anderen sind kaum besser. Und gerade die Bösen sind mir doch zu sehr klischeehaft böse. Immerhin haben die Dialoge funktioniert.
3 Sterne
Handlung und Struktur:
Das Buch beginnt leider nicht gerade stark. Es beginnt auch nicht langweilig, aber erst nach 100 Seiten Geplätschere wird klar, was überhaupt die Geschichte ist. Ich persönlich hätte mir gut vorstellen können, besagte 100 Seiten einfach herauszustreichen und gleich mit dem Wichtigen zu starten, dann wäre der Anfang auch spannender gewesen. Die Kapitel einer Figur hätte man auch einfach zu 75 % streichen können und es hätte dem Text gutgetan. Denn sie sind weitgehend inhaltsleer und strecken das Ganze nur unnötig. Was den Spannungsbogen betrifft, sehe ich als ebenfalls Luft nach oben.
Es gibt noch kurze Szenen, die in der Vergangenheit spielen, und die dienen der Handlung. Außerdem gibt es auch Geschichten, die von der Welt und ihrer Magie erzählen und die im Buch wie auf Pergament geschrieben dargestellt werden (was ganz nett ist). Die könnten auch für sich stehen und ich fand sie gelungen. Das gibt nun auch den Ausschlag, dass ich gerade noch wohlmeinende 4 Sterne gebe – denn was den Rest der Geschichte betrifft, wären es eher 3 bis 3,5.
4 Sterne
Tiefgang:
Bei Settings dieser Art werden oft Entwürfe gezeigt, die Frauen unterdrücken. In der Realität mag das der Fall sein, aber in Fantasyromanen geht es auch ohne Sexismus. Und genau das zeigt dieses Buch: Frauen sind hier absolut gleichberechtigt, ohne dass es in irgendeiner Form unplausibel wäre. Sieht man davon ab, ist Tiefgang oder Komplexität nun nicht die Stärke des Buches. Hier geht es um Unterhaltung.
3 Sterne
Worldbuilding:
Das Setting ist ganz arabische Geschichte, Kultur, Mythologie. Das gibt es häufiger, oft werden aber vor allem Orientklischees gezeigt. Hier aber hat es mich überzeugt. Es werden bekannte Motive wie die Wunderlampe oder Alibaba und die 40 Räuber in die Handlung eingewoben, ohne dass es an irgendeiner Stelle klischeehaft geworden werde. Kurzum: Das Setting hat mich voll überzeugt und war eine nette Abwechslung.
5 Sterne
„Der Sternenstaubdieb“ ist ein nettes Orientmärchen. Das Buch ist nicht schlecht, aber es gibt an vielen Stellen Luft nach oben. Wer leichtgängige Unterhaltung für zwischendurch sucht, kann das Buch durchaus lesen. Das Ende verspricht noch einmal schöne Schauplätze für den nächsten Band (laut englischem Originaltitel soll es sich um eine Trilogie handeln). Ich bin mir allerdings unsicher, ob ich mir die Fortsetzung hole. Ich vermute fast, dass ich zu dem Zeitpunkt, an dem sie erscheint, das Buch schon wieder vergessen habe.



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