Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes


Das Buch erzählt von Zauberern, einem bösen Wald und verwunschenen Menschen. Diese Märchenmotive werden zu einem umfangreichen High-Fantasy-Roman zusammengeführt, der an jeder Stelle spannend ist.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig und trägt dazu bei, die Spannung im Roman hochzuhalten. Manchmal hätte ich mir noch Bilder gewünscht, die im Gedächtnis bleiben, aber insgesamt habe ich kaum etwas auszusetzen.
4,5 Sterne
Charaktere:
Die Hauptfigur ist zwar jung, wirkt jedoch ausgestaltet und glaubhaft. Man folgt ihr gerne durch die Handlung. Auch die zweite wichtige Figur überzeugt durchaus. Das Buch setzt dabei nicht unbedingt auf markante Persönlichkeiten – muss es aber auch nicht, der Fokus liegt auf der Handlung.
4 Sterne
Handlung und Struktur:
Der Plot ist interessant und zu jedem Zeitpunkt spannend, ohne überflüssige Längen. Auch die Charaktere entwickeln sich. Im Zentrum steht natürlich das Rätsel um den Wald, das nach und nach gelüftet wird. Das Böse agiert hierbei oft überraschend und undurchschaubar, wodurch eine düster gruselige Grundstimmung entsteht – und das meine ich positiv.
5 Sterne
Tiefgang:
Der Roman will vor allem unterhalten. In der Dynamik bzw. dem Machtgefälle zwischen den beiden wichtigen Figuren und der Auflösung desselben lägen eigentlich einige interessante Ansätze zur Reflexion. Leider verzichtet der Text darauf. Ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern, aber mit dieser Darstellung bin ich nicht unbedingt glücklich. Hinzu kommt, dass die wichtige weibliche Figur als emotional und impulsiv agierend dargestellt wird und die männliche als rational und kühl. Das sind Zuschreibungen aus dem Mittelalter (Eva-Modell), von denen ich hoffen würde, dass wir da im 21. Jahrhundert endlich wegkommen. Natürlich ist es nicht schlimm, von impulsiven Frauen und rationalen Männern zu schreiben – aber wenn es eben nur zwei relevante Figuren gibt, hat das dann doch eine bestimmte Wirkung. Schade.
3 Sterne
Worldbuilding:
Das Setting ist offenbar von polnischen Märchen inspiriert. Diese Anbindung ist auf jeden Fall gelungen. Auch der Wald ist bildhaft dargestellt, sodass eine dichte Atmosphäre entsteht.
5 Sterne
Von der Autorin kannte ich bereits die Bände um die „Feuerreiter Seiner Majestät“, fand diese jedoch eher zäh. Das Buch ist deshalb ganz anders: Es ist stringend, temporeich, spannend. Hinzu kommt ein kreativ und bildhaft ausgestaltetes Setting. Insgesamt ein gelungener Roman.
Gesamtwertung: 4,3 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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