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Ann-Kathrin Karschnick: Kumara – Die Legende der verlorenen Freiheit

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
8. Apr. 2025
3 Min. Lesezeit

Südsee Fantasy Inseln Palmen Strände

Der Roman hat ein interessantes Setting und ist solide umgesetzt. Für mich mangelte es deutlich an Spannung, was aber der fehlenden Komplexität geschuldet sein dürfte, die andere Leser*innen sicher weniger stört. Gerade für jüngere Leser*innen könnte „Kumara“ sicher ein gelungenes Buch sein. Allerdings fand ich das Ende derart furchtbar, dass ich dafür deutliche Abzüge geben muss.

 

Schreibstil:

 

Sprachlich ist der Roman durchaus versiert und bildhaft. Leider gab es relativ viele Typografie- oder Tippfehler, aber darüber sehe ich hinweg.

 

5 Sterne

 

Charaktere:

 

Die Figuren sind nicht unbedingt stereotyp, aber auch nicht interessant. Lani erschien mir immer eher blass, die anderen Charaktere haben ein paar Eigenheiten, aber es findet sich nirgendwo wirklich Tiefgang. Die Interaktionen und die Dialoge funktionieren hier aber in der Regel, sodass das nicht groß störend war. Ich schwanke zwischen 4 und 4,5 Sternen, aber weil die Figuren auch sehr jung sind und damit übliche (für mich uninteressante) Coming-of-Age-Thematiken einhergehen, gebe ich den niedrigeren Wert.

 

4 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Gerade der Anfang war mir etwas langsam erzählt. Für mich wurde es erst ab ca. Seite 55 spannender, alles davor war Einführung (die ich nicht gebraucht hätte) und Worldbuilding. Danach ging die Geschichte flott voran. Woran es ihr aber vollkommen mangelte, war Komplexität. Es war recht einfach zu erkennen, wohin die Handlung steuerte und generell gab es für mich auch keine Geheimnisse oder interessante Beziehungsdynamiken, die mich bei Laune gehalten hätten. Es war eine Abenteuererzählung, die eben linear ablief. Ich bin mir sicher, dass andere Leser*innen das überhaupt nicht stört, aber für mich war es zu simpel gestrickt.

 

Allerdings: Das Ende fand ich absolut furchtbar. Eine solche Wendung finde ich nicht interessant, sondern ich fühle mich komplett auf den Arm genommen. Es gab auch keine Zeichen, die das Ganze angeteasert hätten. Die Geschichte folgte bestimmten Spielregeln und die wurden an dieser Stelle einfach über den Haufen geworfen. Mit Originalität kann man hier sicher auch nicht argumentieren. Vor dem Ende hätte der Roman an dieser Stelle 3,5 Sterne von mir bekommen. Nach dieser Auflösung kann ich mich dazu nicht mehr durchringen.

 

2 Sterne

 

Tiefgang:

 

In gewisser Weise ist der Roman ein Kommentar auf das Patriarchat, denn Frauen haben hier starke Positionen. Sie sind Anführerinnen und vererben ihre Stellung an ihre Töchter. Auch dürfen Frauen ihre Sexualität ausleben (Jungfräulichkeit hat keinen besonderen Wert). Darüber hinaus wird thematisiert, welche Konsequenzen es hat, wenn das Kollektiv über dem Individuum steht. Insgesamt war die Geschichte aber (wie schon im vorherigen Punkt „Handlung“ anmerkt) nicht sonderlich komplex, im Gegenteil. An vielen Stellen war mir außerdem zu sehr didaktisch. Und dann das Ende … Ich schrieb es ja schon. Vielleicht sollte hier noch einmal eine neue Dimension eröffnet werden. Für mich war es aber plump.

 

3 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Das Südsee-Setting ist unkonventionell und weitgehend gut umgesetzt. High Fantasy auf Palmeninseln ist selten (und wenn dann ist es meistens Piratenfantasy) – das ist sehr positiv. Allerdings gibt es in meinen Augen ein paar Brüche, die sich nicht so recht einfügen wollen: Orangenbäume? Handtücher? Metallschalen? Kompass? Das sind eigentlich Dinge, die es bei den Kulturen in der Südsee traditionell nicht gab und mich irritiert haben. Vor allem das Metall und der Kompass: Nirgendwo wurde auch nur angedeutet, dass es auf diesen idyllischen Inseln so etwas wie Schmieden gibt und der Kompass als Technologie ist schon so fortschrittlich, dass er nicht recht passen will zu Leuten, die Knochen und Haifischzähne als Schmuck tragen. Angesichts des Endes hätte man solche Inkonsistenzen tatsächlich nutzen können bzw. sogar müssen! Das ist aber nicht passiert. Sie blieben einfach nur inkonsistent.

 

4,5 Sterne

 

Der Roman ist angenehm geschrieben, hat ein unkonventionelles Setting und ist ansonsten durch und durch solide (jedenfalls über 400 Seiten hinweg). Aufgrund der fehlenden Komplexität würde ich ihn aber eher als Jugendbuch einstufen. Und für ein solches würde ich auch andere Maßstäbe anlegen und sagen, dass es gelungen wäre – denn Leser*innen mit weniger Literaturerfahrung dürfte auch die einfach gestrickte und didaktische Abenteuerhandlung nicht stören (ebenso wenig wie Coming-of-Age-Thematiken). Für Erwachsene ist es eher ein leichter Happen für zwischendurch. Sowohl für die jüngere als auch für die ältere Altersgruppe gilt jedoch: Ein solches Ende kann ein Buch schnell mal ruinieren. Für mich war es jedenfalls definitiv so.

 

Gesamtwertung: 3,7 Sterne, macht gerundet 4 Sterne

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