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Thomas M. Adler: Die Silben der Magie

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
5. Jan. 2025
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Okt. 2025


High Fantasy Südsee Dschungel Insel Schiffe Magie Einzelband

Die Leseprobe hat mich nicht umgehauen, aber mich hat das Thema „Linguistik“ und das Südseesetting interessiert, also habe ich mir das Buch gekauft.

 

Schreibstil:

 

Der Schreibstil ist im Wesentlichen in Ordnung. Ich vermisse die Metaphern und bildhaften Vergleiche. Manchmal gibt es auch Redundanzen („klopften und hämmerten“), fehlende Präzision („nicht allzu gut duften“ statt „stinken“), Relativierungen („recht kalt“, „nicht sonderlich gut“), Passivkonstruktionen („ihnen musste geholfen werden“ statt „sie halfen ihnen“), Wortwiederholungen und generell wird mir zu viel erklärt bzw. bewertet. Da hätten m. E. ein paar Leerräume gutgetan (wie z.B. am Ende, das war gut). Es häufen sich also die Kleinigkeiten, die man eigentlich leicht in einem Lektorat hätte ausbügeln können (und sollen). Aber es gibt keine wirklich dramatischen Stolpersteine, sodass sich das Buch flüssig lesen lässt. Ich gebe gerade noch die 4 Sterne.

 

4 Sterne

 

Charaktere:

 

Korren ist kein komplexer Charakter, aber seine Eigenheiten reichen aus, um ihm durch die Handlung zu folgen. Der Konflikt mit dem Vater wird ja immer wieder betont, aber mir haben da so ein bisschen die Hintergründe gefehlt (warum genau hassen die sich denn nun so sehr?). Und vielleicht auch die konkrete Dynamik. Korren denkt sich zwar andauernd, dass ein Satz, den der Vater sagt, jetzt bestimmt ein Seitenhieb war, aber das ist halt immer nur seine Interpretation und nicht das, was der Text für sich aussagt. Ich hätte da gerne mal ein paar Dialoge gehabt, die so richtig fetzen.

 

4 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Ich sagte ja schon: Die Leseprobe hat mich nicht umgehauen. Das lag einfach daran, dass der Anfang inhaltlich recht schwach war. Der Protagonist kommt langsam an, schaut sich erst mal um … Da fehlt mir die Dynamik, das Besondere, der größere Konflikt. Das Buch brauchte gefühlt ewig, um in Fahrt zu kommen. Warum nicht einsteigen mit einer Szene, in der der Wind die mysteriösen Stimmen herbeiträgt? Das wäre doch viel spannender. Denn das Potenzial ist ja da, wie die weitere Handlung zeigt.

 

3 Sterne

 

Tiefgang:

 

Hier geht es natürlich um Kolonialismus. Die Siedler fühlen sich in ihrer Kultur erhaben und degradieren die Einheimischen zu „Wilden“. Es stellt sich natürlich bald heraus, dass das nicht nur überheblich ist, sondern dass es womöglich umgekehrt ist. Schließlich sind die Siedler die Aggressoren. Die Thematik ist interessant, man hätte sie aber sicherlich komplexer behandeln können. Für mich war es in Ordnung.

 

Zur Linguistik gibt es tatsächlich Infos, die ins Detail gehen. Ob es das wirklich so umfänglich gebraucht hätte, weiß ich nicht. Sowas ist ja immer ein Balanceakt. Ich würde sagen, stellenweise war es etwas zu viel, aber es hat mich nicht gestört und grundsätzlich finde ich es ja ganz gut, wenn man eine gewisse Expertise zu Gesicht bekommt.

 

4 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Der Roman spielt auf einer Südseeinsel, was an sich schon ein großes Plus ist (das kommt in High-Fantasy-Romanen schließlich selten genug vor). Von der zeitlichen Einordnung würde ich raten vielleicht 17. Jahrhundert? Auch hier finde ich es immer gut, wenn wir mal nicht im Mittelalter sind. Ansonsten merkt man, dass sich der Autor viel gedacht hat: In der Welt gibt es zwei Sonnen, drei Monde, ungewöhnliche Tiere … Manchmal kam die Atmosphäre nicht so ganz bei mir an – aber das fällt eigentlich eher unter den Punkt „Schreibstil“ (wie ich schon sagte: mehr Bildhaftes, einprägsame Formulierungen wären gut gewesen – es wird zwar beschrieben, dass es achteckige Häuser gibt, aber wie sich das Leben im Dschungel tatsächlich anfühlt, wie es klingt, wie es riecht, das erfahren wir nicht so richtig). Insgesamt war das Setting auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung und auch der Fokus auf die Linguistik definitiv originell.  

 

5 Sterne

 

Debüts im Selfpublishing sind immer so eine Sache. Ohne Verlag gibt es halt keinerlei Qualitätskontrolle und die wäre gerade dann, wenn die Autor*innen noch unerfahren sind, besonders wichtig. Ich habe da schon wirklich oft danebengegriffen. Ein Griff daneben war dieser Roman ganz sicher nicht, ein wenig verschenktes Potenzial gibt es aber leider trotzdem. Gerade am Anfang funktioniert der Spannungsbogen nicht, das hätte man halt einfach umstrukturieren müssen. Und so müssen Leser*innen erst einmal über eine Durststrecke kommen, bevor es dann spannend wird. Dass der Roman aber thematisch die ausgetretenen Pfade verlässt, ist sehr positiv und deswegen behalte ich den Autor auch mal weiter im Auge. Insgesamt also ein gutes Debüt mit etwas Luft nach oben.

 

Gesamtwertung: 4,0 Sterne, macht gerundet 4 Sterne

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