Vitor O. D. Pielgream: Braahak Rabenauge (Die Schatten von Dunthrak 1)


Der Roman verbindet klassische Fantasyelemente mit einer Krimihandlung. Das funktioniert wunderbar und hebt das Buch auch von anderen typischen High-Fantasy-Romanen ab.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist individuell auf die Figur von Braahak ausgerichtet, wodurch eine eigene Erzählstimme entsteht. Auch sind die Beschreibungen bildhaft und vermitteln eine dichte Atmosphäre. Ein paar kleine Stolpersteine gibt es: Manchmal Brüche in der Perspektive oder Wechsel des Tempus, dessen Zweck sich mir nicht erschlossen hat. Hinzu kommen kleinere Fehler (und Fehler im Buchsatz). Es wäre sicher gut gewesen, hier nochmal drüberzugehen und das Ganze zu glätten. Das Potenzial ist auf jeden Fall da.
3,5 Sterne
Charaktere:
Braahak ist eine Art Sherlock Holmes in Zwergengestalt. Vieles an seiner Figur ist dadurch irgendwie bekannt, aber es gibt auch Unterschiede und Neues. Seine Art zu denken und zu sprechen ist definitiv individuell. Für mich hat er auf jeden Fall funktioniert und auch die Nebenfiguren wirkten nicht hölzern. Stellenweise hätte ich mir vielleicht noch mehr Unkonventionelles gewünscht. Ich schwanke zwischen 4 und 4,5 Sternen und gebe den besseren Wert.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Der Spannungsbogen hat für mich die meiste Zeit funktioniert. Durch die teilweise verknappte Erzählweise hatte ich vor allem bei Dialogen manchmal kleinere Verwirrungen, was dann den Fluss gebremst hat. Aber übergeordnet war der Bogen da. Das Buch ist wie ein typischer Krimi aufgebaut. Dadurch überrascht die Struktur zwar nicht, aber sie ist durch und durch solide und trägt gut durch die Handlung.
4 Sterne
Tiefgang:
Hier geht es um Machenschaften und Ausbeutung, um zwielichtige Figuren und fragwürdige Motivationen. Sicher ist es aber das Hauptanliegen des Buches durch eine Rätselstruktur zu unterhalten. Das funktioniert auch wunderbar.
3,5 Sterne
Worldbuilding:
Wenn es in einer Welt Elfen, Goblins und Orks gibt, dann würde ich normalerweise erst einmal die Nase rümpfen und sagen: "Das gibt es doch schon tausendmal". Allerdings enthält dieser Roman durchaus Einiges, das es nicht gibt. Zum einen haben wir es hier nicht mit einem klassischen Mittelaltersetting zu tun, sondern mit einer Steampunkwelt. Zum anderen ist diese Variante eines Zwergen-Sherlock-Holmes durchaus nicht erwartbar und der Genremix Krimi-Fantasy keineswegs ausgetreten. Dadurch schafft es der Roman, Altbekanntes in einen neuen Kontext zu stellen und es dadurch wieder interessant zu machen.
4,5 Sterne
Insgesamt hat mich das Buch unterhalten und auch auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Es gab ein paar Kleinigkeiten, die mich gebremst haben und entsprechend in meine Wertung miteingeflossen sind. Aber für alle, die mal einen Krimi der etwas anderen Art lesen wollen, ist "Schatten über Dunthrak" durchaus zu empfehlen.
Gesamtwertung: 4,0 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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