T. P. Harlow: Die Kinder der Trauer (Die Klingensänger-Saga 1)


Dieses Buch ist ein Ziegelstein. Über 700 Seiten, großes Format. Für einen klassischen High-Fantasy-Roman ist dieser Umfang aber durchaus nicht ungewöhnlich. Denn genau darum handelt es sich bei dem Buch.
Schreibstil:
Der Text liest sich flüssig. Manchmal gab es Stellen, die mir ein wenig zu gekünstelt wirkten (am Anfang mehr, gegen Ende weniger). Aber dann gab es auch wieder gute Passagen mit einer gewissen Bildhaftigkeit. Ich schwanken zwischen 4 und 4,5 Sternen. Ich gebe den schlechteren Wert, weil sich einfach unglaublich oft Augen weiteten! Es gibt doch auch noch andere Gesichtsausdrücke.
4 Sterne
Charaktere:
Grundsätzlich sind die Figuren durchaus ausgestaltet. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ich ihre Wandlung immer komplett abkaufe. Denn es geht immer wieder um diesen Weg von Gut nach Böse und umgekehrt und vielleicht ist mir da manches mal zu sehr ins Extrem umgeschlagen. Ich will an dieser Stelle nichts spoilern. Hier schwanke ich zwischen 4 und 4,5, diesmal soll es der bessere Wert werden.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Ich erwähnte eingangs schon, dass das Buch ein Wälzer ist. Das ist es auch deshalb, weil es ein umfangreiches Worldbuilding hat, dessen Details an einigen Stellen ausgefächert werden. Das hat den Effekt, dass die Handlung dadurch manchmal gebremst wird – das muss man mögen. Das gilt allerdings vor allem für den Anfang und wird dann im Laufe der Handlung immer weniger. Insgesamt hätte man die Geschichte sicherlich auch rasanter erzählen können, nicht jede Begegnung war unbedingt notwendig, nicht jede Ausbildungsstation hätte es gebraucht. Aber das heißt nicht, dass das Buch langweilig gewesen wäre. Es ging immer etwas voran und die Spannung blieb konstant. Die Erzählweise ist also sicherlich auch eine Geschmackfrage. Hier wird in die Breite erzählt, sicherlich ganz bewusst und sicherlich werden das auch viele mögen.
An sich ist die Handlung recht gewöhnlich: die einzelnen Bausteine (z. B. der (Halb)Waisenjunge, der auszieht und seine (vermeintliche) Bestimmung findet und zum Held wird) kennt man schon irgendwoher. Das muss nicht per se negativ sein, aber es sollte einfach klar sein, dass hier nicht das Rad neu erfunden wird.
4 Sterne
Tiefgang:
In diesem Roman wird immer wieder Zwischenmenschliches reflektiert. Was wollen Menschen, warum fügen sie sich ein, warum nicht. Manche Ausführungen haben auch einen philosophischen Ton. Es werden Fabeln eingestreut. Oberflächliche Unterhaltung ist das hier also sicher nicht. An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Komplexität gewünscht, aber insgesamt war durchaus Tiefgang vorhanden.
4,5 Sterne
Worldbuilding:
Die Welt ist europäisch, vielleicht in die Frühe Neuzeit einzuordnen. Noch in der Nähe des Mittelalters, aber schon an vielen Stellen darüber hinaus gewachsen, auch durch magische Technologie. Ich würde sagen, das Setting ist konventionell. In sich funktioniert es durchaus und enthält auch viele Einfälle, hinter denen einiges steckt, aber ich hätte mir in der Gesamtheit hier mehr Ungewöhnliches gewünscht. (Wie bereits erwähnt gilt das auch für die Handlungsebene.)
4 Sterne
Insgesamt ist das Buch gut gemacht. Es gibt viele Aspekte, die gut gelungen sind. Warum es nur 4 statt 5 Sterne geworden sind: Für meinen Geschmack hätte man stellenweise auch straffer erzählen können und das Setting und Magiesystem hätten gerne ungewöhnlicher sein dürfen. Jeder, den das nicht stört, findet hier auf jeden Fall einen Roman, der sowohl unterhaltsam ist, als auch ein bisschen etwas zum Nachdenken bietet. Ich werde den Folgeband bestimmt lesen, auch wenn der erste Roman durchaus in sich abgeschlossen war und eine Fortsetzung nicht unbedingt braucht.
Gesamtwertung: 4,2 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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