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"Fünf Federn": Der Unheiler (Minen der Macht 1)

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
30. Jan. 2025
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Feb. 2025


High Fantasy Minen Buchreihe Reihe 4 Bände

An diesem Buch haben fünf Autor*innen geschrieben. Ich stelle es mir schwierig vor, da ein konsistentes Werk zu erschaffen (bekanntermaßen verderben viele Köche den Brei) und deswegen war ich auch so gespannt auf das Buch. Der Klappentext verrät ja nur, dass es viele Leute und viele Leichen gibt. Und auch der Titel ist extrem generisch. Insgesamt hat der Roman für mich aber durchaus gut funktioniert.

 

Schreibstil:

 

Ja, was soll ich dazu schreiben? Fünf Autor*innen, fünf unterschiedliche Stile. Das heißt nicht, dass sich das Buch wie ein Flickenteppich liest. Dafür, dass so viele Menschen daran geschrieben haben, ist es erstaunlich konsistent. Aber es gibt eben doch Unterschiede – und ich meine da durchaus Qualitätsunterschiede –, die in den Kapiteln erkennbar sind.  Liest sich das eine zu zäh, liest sich das andere zu erklärend, liest sich das nächste zu oberflächlich. Oder dann doch flüssig oder atmosphärisch. Ich weiß nun nicht, wer was geschrieben hat, aber es schreiben nicht alle gleich gut. Letztlich ist der Text aber flüssig genug, um ohne Stolpersteine lesbar zu sein.

 

4 Sterne

 

Charaktere:

 

Alle Figuren haben ihre Eigenheiten. Aber das macht nicht alle gleich stark. Und das Problem geht natürlich Hand in Hand mit dem Schreibstil-Problem. Mein Ranking wäre: Rami und Nasiima, Gunther, Woulf und Kröte. Bei Woulf waren mein Problem viele Erklärungen und teilweise Rückblenden, das stört den Textfluss. Und bei Kröte hat irgendwie die Atmosphäre gefehlt. Der Schreibstil war hier irgendwie trocken und arm an Bildern. Das waren tatsächlich die Kapitel, bei denen meine Aufmerksamkeit manchmal ein bisschen weggedriftet ist. Insgesamt würde ich aber sagen, der Durchschnitt ist gut und die Figuren funktionieren. Es läuft auf 4-4,5 Sterne hinaus, Tendenz zu 4.

 

4 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Multiperspektivisches Erzählen bringt es meistens mit sich, dass der Anfang ein wenig braucht. So auch hier. Aber das fand ich überhaupt nicht störend. Welt und Figuren werden interessant eingeführt. Es gibt auch Einiges an Worldbuilding, das die Handlung stellenweise ein wenig ausbremst. Vielleicht hätte man da ein wenig kürzen können, aber ich fand das keineswegs dramatisch. Insgesamt fand ich die Handlung gut und spannend.

 

4,5 Sterne

 

Tiefgang:

 

In der Minenstadt werden verschiedene soziale Schichten separiert. Diese Standesunterschiede werden gut herausgearbeitet und auch das Machtstreben der Oberschicht sowie das Elend der untersten Schicht gut gezeigt. Insgesamt setzt der Text nun aber nicht unbedingt auf komplexe Fragestellungen, sondern auf Unterhaltung. Was in Ordnung ist.

 

Nur eine Sache ist mir aufgefallen: In der Welt scheinen Frauen gleichberechtigt zu sein, jedenfalls sind sie selbstverständlich Soldatin, Politikerin und Magierin. Trotzdem müssen sie sich irgendwie auch selbstverständlich Sprüche anhören, wie, dass Frauen nicht zu intelligent sein sollen oder auf offener Straße Catcalling ertragen. Das passt nicht zusammen. Ich habe mich gefragt, ist das nun ein inkonsistentes Worldbuilding und müsste an dieser Stelle stehen? Oder wurden solche Dynamiken nicht reflektiert? Denn ich halte Catcalling für kein natürliches männliches Verhalten. In einer gleichberechtigten Gesellschaft müsste es verpönt sein, Frauen so zu erniedrigen.

 

Und auch, dass die Aschlinge sich mehr oder weniger willentlich versklaven lassen, ist ein problematisches Narrativ.

 

Aber nun, das ist sehr detailliert und nichts, was tatsächlich breitflächig in dem Roman vorkommt.

 

3,5 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Das Setting in der Minenstadt fand ich spannend. Generell sind Minen ein interessanter, aber vielleicht manchmal zu wenig genutzter Schauplatz und daraus eine ganze Stadt zu konzipieren, bringt einige interessante Ideen mit sich. Gut fand ich auch, dass mal keine tolkienschen Wesen vorkommen. In letzter Zeit hatte ich stark den Eindruck, dass deutschsprachige Autor*innen (im Gegensatz zu englischsprachigen, die interessante Magiesysteme erfinden) selten über das Konventionelle hinauskommen. Auch wenn wir hier kein innovatives Magiesystem haben, haben wir eines, das vom Standard abweicht und der Schauplatz zieht für mich auf jeden Fall und macht die zeitliche Einordnung (Mittelalter bis Frühe Neuzeit) auch völlig unerheblich.

 

5 Sterne

 

Das Buch war gut. Die benannten Schwächen finde ich tatsächlich vernachlässigbar und fand mich insgesamt gut unterhalten. Im Übrigen bin ich froh, dass Großverlage doch noch Erwachsenen-High-Fantasy herausbringen (wenn auch nur von sehr bekannten Namen, wie es scheint). Ich werden den Folgeband auf jeden Fall lesen.

 

Gesamtwertung: 4,2 Sterne, macht gerundet 4 Sterne

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