Janne Birk: Ruf des Eises (Druidenerbe 1)


Dieses Buch ist unglaublich lang. Seitenmäßig (644) wäre das für High Fantasy nicht wild, aber gefühlt waren es eher 6440, weil die Handlung wahnsinnig langsam erzählt wurde. In meinen Augen wäre hier weniger definitiv mehr gewesen – Tempo hätte sehr gut getan.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist solide. Es gab keine Stolpersteine, der Text las sich flüssig. Positiv auch die vielen Details, die das Setting spezifisch ausgestalten. Allerdings fehlte mir eine gewisse Kunstfertigkeit, schöne Metaphern, ein besonderer Ton.
4 Sterne
Charaktere:
Dadurch, dass die Charaktere so viel über ihr Leben nachdenken, wirken sie irgendwie greifbar. Einprägsam waren sie für mich allerdings nicht.
4 Sterne
Handlung und Struktur:
Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt und im Prinzip passiert auch etwas. Allerdings ist die Erzählung derart mit Beschreibungen, ausufernden Gedankengängen, Erinnerungen an die Vergangenheit und Erklärungen der Hintergründe der Welt und der Figuren gespickt, dass das meinen Lesefluss derart gebremst hat, dass ich mich irgendwann zwingen musste, den Roman überhaupt noch zur Hand zu nehmen. Das Buch hat über 600 Seiten, es ist nicht dünn. Ich fand es wahnsinnig anstrengend, überhaupt voranzukommen und bin gedanklich immer wieder abgeschweift. Das lag sicherlich auch daran, dass der Konflikt von Anfang an eher dünn war: Die Eisvölker wollen zurück in ihre Heimat. Das ist recht undramatisch und für die einzelnen Figuren steht erstmal auch nicht viel auf dem Spiel. Und dann gibt es noch Reisen und Kämpfe – also ebenfalls nicht, was den Konflikt wirklich vorantreibt.
1,5 Sterne
Tiefgang:
Schwer zu sagen. Im Wesentlichen würde ich sagen, hier geht es vor allem um Unterhaltung. Aber gut möglich, dass mir etwas entgangen ist, weil ich aus genannten Gründen so oft abgeschweift bin und irgendwann nur noch überflogen habe.
3 Sterne
Worldbuilding:
Hier steckt viel drin: Eis, Druidenmagie, geheimnisvolle Magie. Dazu ausschweifende Wanderungen durch die Natur. Mein Problem war allerdings, dass das Worldbuilding derart üppig war, dass es oftmals überladen wirkte, und die eigentliche Handlung gebremst hat. Für mich wäre weniger mehr gewesen. Außerdem gab es immer wieder auch Brüche: Kartoffeln und Kaffee passen für mich überhaupt nicht in diese Welt.
4,5 Sterne
Wer klassische High Fantasy mit ausschweifendem Worldbuilding, Reisen und Naturmagie mag, kommt hier auf seine Kosten. Für mich wurde das Worldbuilding allerdings zu sehr Selbstzweck. Es hat den Roman immens aufgeblasen, sodass ich ihn oftmals als zäh empfand. Wer nach rasanter Spannung und spitzen Pointen sucht, dürfte hier jedenfalls falsch sein. Für mich war es leider nichts. Schade, denn das Setting (Eis und Druiden) ist eigentlich interessant und rein von Schreibstil und Figuren her hätte es vermutlich auch für mich funktionieren können.
Gesamtwertung: 3,4 Sterne, macht gerundet 3 Sterne



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