Rou Bao Bu Chi Rou: Kalter Verrat (Remnants of Filth 1)


Grundsätzlich muss man bereit sein, sich auf das Genre "Danmei" einzulassen, denn der Stil ist eben doch anders, als wir es bei westlicher Literatur gewöhnt sind. Wenn es nur das wäre, hätte mir das Buch vielleicht dennoch gefallen können – aber leider schwächelt es an einigen Stellen und ist in seiner Message absolut fragwürdig.
Schreibstil:
Zum Schreibstil habe ich ambivalente Gefühle. Einerseits gibt es durchaus bildhafte Beschreibungen und Details, andererseits dann auch viele Erklärungen und vor allem endlose Wiederholungen. Ob die nun der Übersetzung geschuldet sind oder nicht, weiß ich nicht, aber ich fand es ermüdend, in einem Kapitel auf gefühlt jeder zweiten Seite zu lesen "Es verschlug ihm die Sprache". Ebenfalls störend ist dieses gewisse Pathos, das manchmal mitschwingt. Da werden schon mal zwei Ausrufezeichen nach einem Fragezeichen gesetzt. Da gäbe es doch bessere Möglichkeiten, Emotionalität auszudrücken.
3,5 Sterne
Charaktere:
Auch hier bin ich ambivalent. Das Buch lebt von der Beziehung zwischen Mo Xi und Gu Mang und die beiden Figuren haben für mich auch irgendwie funktioniert. Allerdings versammeln sich um sie herum eigentlich nur Stereotype, vom lächerlichen Witzbold bis zum bösartigen Sadisten. Diese Figuren wirken oft plump und das wirkt sich leider auch auf die generelle Dynamik zwischen den Charakteren aus.
3,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Hier hatte ich meine Schwierigkeiten. Denn ich dachte, dass tatsächlich etwas in dem Buch passiert. Was passiert: Die Beziehung zwischen Mo Xi und Gu Mang wird (auch mit Rückblenden) ausgefaltet. Aber es gibt fast nichts drumherum, nichts, in das diese Thematik eingebettet ist. Für mich persönlich war das einfach zu wenig. An sich ist die Beziehung zwar interessant und es gibt auch ein paar Fragen, die man sich stellt, und Informationen, die man portionsweise bekommt, aber ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich schon weiß, worauf das hinausläuft und das alles auch schneller gegangen wäre. Denn wenn man nach knapp hundert Seiten das erste Zusammentreffen erst einmal hinter sich gebracht hat, kann man sich eigentlich denken, was da los ist.
2 Sterne
Tiefgang:
Es wird von Liebe gesprochen … Und dann vergewaltigt der Liebende seinen Partner. Der Text behandelt diese Thematik lapidar, spricht von "Leidenschaft" und davon, dass junge Männer sich ja ohnehin nicht zu beherrschen wissen. Ich bin über diese Stelle sehr gestolpert, habe gehofft, dass der Roman das Ganze noch aufarbeitet. Aber nein. Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn Vergewaltigungen als Ausdruck von Leidenschaft und Liebe romantisiert werden, bin ich definitiv raus. No-Go! Auch darüber hinaus ist eine der beiden Figuren immer wieder gewalttätig, ohne, dass es problematisiert wird. Und dass der Großteil des Buches darin besteht, dass eine Figur misshandelt wird, macht das Ganze auch nicht gerade angenehm zu lesen. Würde dieses Trauma aufgearbeitet – sehr gut! Wird es aber nicht.
1 Stern
Worldbuilding:
Dadurch, dass nicht viel passiert ist, gab es in der Welt auch nicht viel zu entdecken. Dass das Ganze in Asien spielt ist gut und dieses Setting ist auch gut eingefangen (wenig überraschend, die Autor*in ist Chines*in). Ich hätte mir jedoch mehr gewünscht, dass das Ganze irgendwie auch genutzt und ausgeschöpft wird. Andere Bücher haben das für mich einfach besser rübergebracht, beispielsweise "Im Zeichen der Mohnblume".
3,5 Sterne
Man dürfte meiner Rezension anmerken, dass ich mich mit dem Buch sehr schwergetan habe. Bestimmte Merkmale sind typisch für Literatur aus Asien, beispielsweise der Stil und die Figurenzeichnung. Ich hätte damit leben können, wenn das Buch dafür in anderen Bereichen funktioniert hätte. Das einzig interessante bleibt die Beziehung der beiden Hauptfiguren an sich, wenngleich manche Implikation mehr Tiefe verdient hätte – oder auch haben müsste. Denn so bleibt eine missbräuchliche Beziehung, die der Roman romantisiert, anstelle sie aufzuarbeiten.
Im Genre "Danmei" sind wohl auch Illustrationen üblich, die dem typischen Mangastil entsprechen, so auch hier. Ich persönlich empfand die Bilder als störend, ein wenig kindlich und damit nicht zur Handlung passend. Die Art und Weise, wie die Illustrationen mein Lesen beeinflusst haben, habe ich jedenfalls eher als negativ wahrgenommen. Andererseits: Wenn diese Illustrationen genreprägend sind, finde ich es auch richtig, dass sie mit übernommen werden – nur zu meinem Geschmack passt das Ganze dann halt nicht.
Gesamtwertung: 2,7 Sterne, macht gerundet 3 Sterne



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