Rahvea: Ewig – Die letzte Kaiserin

Aktualisiert: 25. Okt. 2025

Das Buch ist nun nicht direkt schlecht, aber es kommen einige Kleinigkeiten zusammen, die das Leseerlebnis schmälern. Was letztlich aber keine Kleinigkeit ist und sich stark auswirkt, sind die Dialoge, die nicht recht funktionieren wollen.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist nicht schlecht (sonst hätte ich das Buch auch nicht gekauft), holpert aber an manchen Stellen. Das sind hin und wieder doch mal eine umständliche Formulierung oder ein Stilbruch (die Sprache bemüht sich um einen altertümlichen Duktus, das gelingt jedoch nicht immer), manchmal abgegriffene Wendungen. Die Dialoge wirken oft gestelzt und vermitteln eher Informationen als Konflikte tatsächlich auszugestalten oder zu entwickeln. Außerdem haben sich kleinere Fehler eingeschlichen, da scheint mir das Korrektorat etwas geschlampert zu haben (es ist nicht gut, wenn auch noch ausgerechnet in den ersten 20 Seiten schon drei Fehler auftauchen).
Zudem wird vieles nicht szenisch erzählt. Da bin ich ambivalent. Einerseits mag ich so etwas nicht, weil es Distanz erzeugt und es deswegen schwieriger macht, in die Geschichte einzutauchen. Aber hier wirkt es irgendwie auch wieder stilbildend, sodass es nicht unbedingt schlecht ist.
3 Sterne
Charaktere:
Am meisten erfahren wir über die Protagonistin Allegora, deren Gedanken aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Dieser Charakter ist nicht unbedingt komplex, das würde ich bei einer eher jungen Frau aber auch nicht erwarten. Man merkt jedenfalls, dass sie noch nach ihrem Platz sucht und das fand ich auch in Ordnung. Dadurch, dass viel aus ihrer Innenschau erzählt ist, gewinnen die anderen Figuren leider nicht wirklich an Kontur.
3 Sterne
Handlung und Struktur:
Es gibt hier immer wieder kurze Texte, die die Welt erklären (z.B. als historische Dokumente) oder Bruchteile der Handlung hinzufügen. Irgendwie bin ich mir da nicht sicher, was ich tatsächlich davon halte. Einerseits ist es recht viel und manchmal kryptisch, wodurch es recht gewollt wirkt. Andererseits entstehen dadurch mehrere Ebenen und die Welt wird komplexer, was wiederum positiv ist. Deswegen habe ich da keine wirklich abschließende Meinung dazu.
Ansonsten fand ich, dass (und das hat etwas mit dem Schreibstil zu tun) die Erzählart die Handlung oft ausbremst. Das liegt in meinen Augen in erster Linie an den künstlichen und statischen Dialogen. Weil die nicht funktionieren, wurde ich regelmäßig aus der Handlung geworfen. Kapitel, in denen es nur um Allegoras Innenleben ging, mögen zwar auch nicht unbedingt große Handlungstreiber sein, aber die haben für mich besser funktioniert.
3,5 Sterne
Tiefgang:
Der Roman ist in weiten Teilen auch eine Montage. Das ist auf jeden Fall nicht uninteressant und lädt zum Nachdenken ein. Es geht um Unterdrückung und Gewalt, um Macht und Manipulation. Das sind auf jeden Fall interessante Themen, aber ich fand sie oft doch recht plakativ behandelt.
4 Sterne
Worldbuilding:
Die Welt ist auf jeden Fall detailreich ausgestaltet. Es gibt auch immer wieder kleinere Infotexte, die Völker, Kultur, Religion etc. erklären. Die hätte ich nicht unbedingt gebraucht, schließlich lese ich keine Bücher wegen dem Worldbuilding. Allerdings fügt es sich irgendwie in den ganzen Duktus des Buches, deswegen passt es dann auch wieder. Ansonsten gibt es neben dem erfundenen Volk der Illa eben Menschen, Elfen und Zwerge (die hier „Dwarin“ heißen). Das ist dann alles doch etwas abgegriffen. Da hätte ich mir frischere Ideen gewünscht. Manche Dinge wie Tomaten oder Rastzöpfe passen für mich aber nicht ganz ins Setting.
3,5 Sterne
Das Thema des Buches ist nicht uninteressant und die Art und Weise, wie verschiedene Textteile zusammenmontiert sind, ist interessant. Diese kurzen Texte haben für mich auch, was den Duktus betrifft, funktioniert. Leider haben sich aber in verschiedenen Bereichen Schwächen eingeschlichen, die das Gesamtleseerlebnis dann doch runterziehen. Mein größter Kritikpunkt sind wohl die Dialoge, die es versäumen, sowohl den Figuren an Kontur zu geben als auch die Handlung voranzutreiben. Damit habe ich mich hartgetan.
Positiv ist aber noch anzumerken, dass das Buch liebevoll gestaltet ist, mit Zierklecksen am Kapitelanfang, schwarzen Seiten und wirklich herausragenden Illustrationen. Das macht das Buch auf jeden Fall zu einem schönen Objekt, dafür gebe ich einen halben Stern Bonus.
Gesamtwertung: 3,5 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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