Oliver Plaschka: Das Licht hinter den Wolken. Das Lied des Zwei-Ringe-Lands


Der Roman ist ungewöhnlich und gehört sicher nicht zum Einheitsbrei. Hier mischen sich ganz klassische High-Fantasy-Themen und Motive mit einer poetischen Sprache und viel Tiefgang. Nicht ganz einfach zu lesen, aber lohnend.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist wunderbar poetisch und dabei sehr bildhaft. Einen Text auf diesem Niveau findet man wirklich selten. Freilich, mit der Verwendung ausdrucksstarker Metaphern geht auch eine gewisse Komplexität einher, sodass Leser:innen, die einfach nur in die Story eintauchen wollen, womöglich nicht abgeholt werden. In meinen Augen muss das aber auch nicht sein – im Gegenteil würde ich es sehr begrüßen, wenn mehr Fantasy auf diesem Niveau veröffentlicht werden würde.
5 Sterne
Charaktere:
Ich vermute, dass mir die Charaktere nicht in Erinnerung bleiben werden, doch sie waren auf jeden Fall glaubhaft und hatten auch eine individuelle Note. Ich würde das Buch zwar sicher nicht wegen der Charaktere lesen, aber schlecht gemacht sind sie nicht.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Den Anfang fand ich etwas schwierig, in erster Linie, weil Sariks Kapitel nicht wirklich vermittelt haben, worum es hier geht und entsprechend auch nicht unbedingt Spannung erzeugt haben. Dafür sind sie aber kurz, das ist deshalb nicht dramatisch, sondern kann man einfach mal so hinnehmen. Aber auch bei April geht es nun nicht gerade rasant zu, weil wir erst einmal ihre Lebensgeschichte erfahren. Zwischendurch gab es ebenfalls einige Passagen, in denen sich die Welt entfaltet, die aber nicht unbedingt die Handlung vorantreiben. Kurzum: Mir war zwar nie wirklich langweilig, das hier ist aber sicher kein Thriller, der auf einen stramm gespannten Spannungsbogen hin getrimmt ist. Wer darauf also Wert legt, wird hier womöglich Mühe haben.
Worauf ich aber einen halben Stern extra gebe: Die Struktur ist durchdacht und interessant konzipiert. Denn verschiedene Abschnitte sind auch unterschiedlich erzählt, mal Rückschau, mal Bericht aus der ersten Person, mal erzählter Mythos. Das ist auf jeden Fall gut gemacht.
4,5 Sterne
Tiefgang:
Das Buch stellt viele Fragen über die Welt und wirft dabei auch interessante Gedanken auf, sodass der Text an vielen Stellen eine philosophische Note enthält. Wer Tiefgang sucht, ist hier also definitiv gut bedient.
5 Sterne
Worldbuilding:
Es ist schwer einzuordnen, was das für eine Welt ist, in der der Roman spielt. Er beginnt in einem abgeschiedenen Dorf und es gibt Leibeigene, das könnte gut eine Art Mittelalter sein. Dann kommen aber auch Begriffe aus der Antike hinzu, Strukturen aus der frühen Neuzeit und plötzlich sind da noch Banken und Tresore oder Kolonialgüter wie Zucker, Zigarren oder Kaffee bis hin zur Telegraphenstation – gleichzeitig aber keine fortschrittlicheren Waffen als Schwerter (die Kanonen der Schiffe wirken ebenfalls etwas isoliert und deplatziert). Hier hätte ich mir tatsächlich mehr Konsistenz gewünscht.
Allerdings sind die beschriebenen Schauplätze schön, man reist durch Wälder, Gebirge, Häfen, mediterrane Inseln, magische Eis- oder Spiegelpaläste und mehr, was mir gefallen hat. Aufgrund der Atmosphäre gebe ich deshalb einen höheren Wert.
4,5 Sterne
Dieses Buch liest man nicht für die Story. Wer einfach nur Spannung will und fertig, braucht hier gar nicht anfangen. Stattdessen bekommt man High Fantasy auf sprachlich höchstem Niveau und mit Tiefgang. Gefühlt müsste der Roman auch mehr als die 4,7 Sterne bekommen, die er von mir rein rechnerisch erhält. Aber weil ich eben nicht nach Gefühl bewerten möchte und doch ehrlich zugeben muss, dass Spannungsbogen und Worldbuilding nicht ganz perfekt für mich waren, bleibt’s dann doch dabei.
Gesamtwertung: 4,7 Sterne, macht gerundet 5 Sterne



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