Malte Schiefer: Stahl und Asche (Der Untergang Ijarias 2)


Die Fortsetzung der Reihe schließt nicht unmittelbar an die Handlung von Band 1 an, sondern erzählt von anderen, zum Teil bekannten Figuren, deckt dabei aber Konflikte auf, die für die Gesamtreihe sicherlich wichtig sind. Im Prinzip ist dieser Band unabhängig lesbar, aber es drängt sich doch auf, sich danach mehr mit der Welt zu beschäftigen, weil nicht alles gelöst wird.
Schreibstil:
Der Roman liest sich flüssig und bildhaft. In Band 1 hatte ich noch ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln – die sind hier nun ausgemerzt, sodass ein angenehmer, atmosphärischer Text zurückbleibt.
5 Sterne
Charaktere:
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und glaubhaft. Ähnlich wie in Band 1 ist auch hier eine Figur noch ein Kind und hat deshalb noch nicht alle Ecken und Kanten, die sie dann sicher noch entwickeln wird (das ist zumindest mein Eindruck von Helgrin aus dem letzten Band). Vaspart ist ebenfalls interessant, wobei ich denke, dass seine Eigenheiten in seinem natürlichen Habitat, nämlich seinem Büro, besser zum Tragen kommen als auf seiner Reise. Die Figuren sind insgesamt also nicht unvergesslich, aber komplex und glaubhaft.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Der Roman lässt sich beim Erzählen Zeit. Für mich hätte es stellenweise temporeicher zugehen dürfen. Ich bin mir aber sicher, dass das Geschmackfrage ist, denn für mich dürfte auch beispielsweise "Der Herr der Ringe" temporeicher zugehen. Flüssig war die Handlung dennoch – die Konflikte haben sich stets weiterentwickelt. Das Ende war ein wenig unbefriedigend, weil doch einiges offenbleibt – da muss man sich wohl bis zur Fortsetzung gedulden.
4 Sterne
Tiefgang:
Der Roman arbeitet sehr sensibel die zwischenmenschlichen Konflikte heraus. Hier passiert zwar nichts, was nun absolut neu wäre, aber das, was passiert, wird mit Tiefgang erzählt, ohne dabei den Leser*innen Interpretationen um die Ohren zu peitschen und ohne dabei Klischees zu bedienen. Gerade auch Zerrissenheit und Leiden der Figuren werden glaubhaft vermittelt. Gewalt ist eindringlich, dabei aber zu keinem Zeitpunkt voyeuristisch dargestellt.
5 Sterne
Worldbuilding:
Die Handlung spielt anfangs in einer Großstadt, weitgehend in einem kleinen Dorf: mitteleuropäisch mit leicht nordischen Anleihen. Das ist nichts völlig Neues – aber die Atmosphäre dieses ländlichen und stellenweise etwas düsteren Ortes kommt gut rüber.
Obwohl der Ansatz klassisch ist, verzichtet der Roman im Gegensatz zu vielen Genregeschwistern zum Glück auf jegliche Genderklischees. Obwohl stellenweise vielleicht archaisch, ist die Welt von Ijaria keine, die Frauen unterdrückt – das ist für das Worldbuilding auch nicht notwendig.
4 Sterne
Das Buch ist angenehm zu lesen und interessant und entwickelt die Handlung aus den Figuren heraus. Leser*innen muss deshalb klar sein, dass hier (ähnlich wie Band 1, vielleicht sogar noch mehr) die Charaktere im Mittelpunkt stehen und kein actiongeladenes Abenteuer, keine verzwickten Rätsel. Leser*innen sind dazu eingeladen, die Lebenswelt der Figuren und ihre Konflikte zu erkunden und das muss man sicher mögen.
Tatsächlich hatte ich erwartet, dass ein größerer Abschnitt aus Helgrins Leben (die wir ja bereits aus Band 1 kennen) erzählt wird, doch es ist eine vergleichsweise kurze (aber prägende) Episode. Die offenen Fragen werden sich dann wohl erst in den Folgebänden klären – was ja legitim ist. Das ist sicher der Grund, warum der Roman nicht unabhängiges Prequel, sondern Band 2 der Reihe ist.
Gesamtwertung: 4,5 Sterne, macht gerundet 5 Sterne



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