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Kritika H. Rao: The Surviving Sky (Die Rages-Trilogie 1)

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
12. Jan.
3 Min. Lesezeit

Indien Fantasy Science Fantasy Wald Dschungel

Das Buch war unerwartet. Nachdem es in "Science-Fiction" einsortiert wurde, hatte ich mit etwas anderem gerechnet und war mir auch nicht ganz sicher, ob es tatsächlich für mich passt. Aber das hat es. Sehr gut sogar.

 

Schreibstil:

 

Der Schreibstil ist glatt und flüssig und webt auch immer wieder einige Details ein. Allerdings wurde mir manchmal zu viel erklärt und insgesamt ging mir ein wenig die Atmosphäre ab. Ich weiß nun zwar, dass in der Stadt Adlerfarn wächst, aber wie es da riecht, klingt oder sich sonst so anfühlt, weiß ich leider nicht. Es gab ein paar Stellen, die da bildhafter waren, aber da hätte ich mir insgesamt mehr gewünscht.

 

4 Sterne

 

Charaktere:

 

Die Beziehung der Figuren ist interessant und ihr Konflikt ist sehr realistisch. Allerdings wurde er mir an vielen Stellen zu sehr ausgewälzt, insofern, dass die Interpretation immer gleich mitgeliefert wurde. Das ließ die Charaktere dann stellenweise wieder ein wenig hölzern wirken. Ahilya fand ich oft auch schwer erträglich, aber das sagt nun nicht direkt über ihre Ausgestaltung als Figur etwas aus. Die Nebenfiguren bleiben leider eher blass – man muss aber sagen, sie sind auch nicht wirklich wichtig. Ich schwanke zwischen 4 und 4,5 Sterne und gebe hier den besseren Wert.

 

4,5 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Die Handlung war zu keinem Zeitpunkt langweilig. Allerdings gab es im Mittelteil kleinere Schwächen – Ereignisse, die ein wenig isoliert wirkten und die Gesamthandlung wenig vorangetrieben haben. Anfang und Ende empfand ich aber durchaus als spannend. Ebenfalls ein wenig bremsend waren die (ich erwähnte es bereits) oftmals ausführlich mitgelieferten Interpretationen. Ich hätte da manchmal gerne etwas weniger gehabt. Aber das sind Details.

 

4,5 Sterne

 

Tiefgang:

 

Eine zerrüttete Ehe in den Mittelpunkt zu stellen, ist auf jeden Fall eine gute und wichtige Idee. Warum immer nur Jugendliche oder Menschen bis Mitte zwanzig Abenteuer erleben lassen? Warum immer nur von Beziehungsanbahnungen zu erzählen? Bei vielen berühmten Buch-Paaren muss man sich die Frage stellen, ob ihre Beziehung dem Alltag überhaupt standhalten könnte (und in meinen Augen lautet die Antwort sehr oft nein).

 

Auch die Art des Konflikts ist realistisch und mit Feingefühl ausgestaltet. Wie sich Ahilya und Iravan missverstehen und auseinanderleben ist keineswegs plump und ich hatte das Gefühl, dass ich genau solche Menschen mit exakt solchen Problemen schon oft kennengelernt habe. Man kann den Konflikt auf gar keinen Fall herunterbrechen auf "Sie will ein Kind, er nicht". Es steckt schon wesentlich mehr an unbewussten Verletzungen, egozentrischem Verhalten, Missverständnissen und einem gewissen Mangel an Konfliktlösungskompetenz dahinter – aber genau das macht es so gut. Ich hatte oft das Gefühl, dass sich Ahilya und Iravan, obwohl sie seit Jahren verheiratet sind, gar nicht richtig kennen und auch gar nicht so richtig zusammenpassen. Ebenfalls ein Spiegel der Realität!

 

Wie ich bei "Charaktere" schon geschrieben habe, hätte ich mir manchmal mehr Zwischentöne gewünscht, aber insgesamt hat man hier schon etwas zum Nachdenken.

 

4,5 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Es gibt hier Pflanzenmagie in einem Setting, das stark von indischer Mythologie inspiriert ist (wer das mag, sollte auch Tasha Suris "Der Jasmin-Thron" lesen). Vorwissen ist hier aber nicht notwendig (ich habe auch keines), es ist alle klar nachvollziehbar. Auch die fliegenden Städte und die Dschungelthematik sind interessant. Das Buch wird als "Science-Fantasy" beworben, für mich steht aber "Fantasy" hier stark im Vordergrund. Es gibt zwar etwas moderne Technik, aber die spielt nicht wirklich eine Rolle und ist sowieso von der Magie abhängig. Außerdem ist das Ganze weder futuristisch noch gibt es einen Bezug zu unserer Realität. Ich würde also sagen: originelle Indien-Fantasy.

 

5 Sterne

 

Das Buch funktioniert auf allen Ebenen und ist zudem originell in vielerlei Hinsicht. Wäre es manchmal ein wenig prägnanter gewesen, hätte es von mir eine noch höhere Wertung bekommen – aber es sind auch so schon 5 Sterne. Ich empfehle das Buch allen, die mal was anderes lesen wollen.

 

Gesamtwertung: 4,5 Sterne, macht gerundet 5 Sterne

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