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Kaja Evert: Klinge & Blutmagie

Autorenbild: Wanderdrache
Wanderdrache
4. Feb. 2025
3 Min. Lesezeit

Romantasy queer Schwarzmagier Blutmagie Nekromantie

Handwerklich ist das Buch definitiv gut gemacht, inhaltlich hat es mich nicht ganz abgeholt. Zum Ende hin fand ich es wieder stärker.

 

Schreibstil:

 

Der Schreibstil ist gut und flüssig. Ich habe von der Autorin aber schon Besseres gelesen, hier waren mir die Dialogzeilen manchmal ein bisschen zu gewollt oder manches überbetont (wie beispielsweise, dass Kjeld Nino misstraut – das stand so oft drin, dass ich irgendwann nur noch mit den Augen gerollt habe). Insgesamt hat der Text aber funktioniert.

 

4,5 Sterne

 

Charaktere:

 

Kjeld und Nino sind beide ausgearbeitet. Sie sind Figuren, bei denen man das Gefühl, solche gibt’s. Will heißen: Nicht extrem originell, aber plausibel.

 

4,5 Sterne

 

Handlung und Struktur:

 

Die Handlung springt am Anfang zwischen der nahen Vergangenheit (nicht mehr als 4 Wochen früher) und der Gegenwart hin und her. Nachdem die Gegenwart besonders dramatisch ist, ist das ein guter Trick, um Spannung zu erzeugen, der hier auch wunderbar funktioniert hat. Auch als die Ebenen dann zusammengelaufen sind, liest sich das Buch weiterhin flüssig. Dass es für mich dennoch nicht immer, d. h. im Mittelteil, spannend war, lag dann tatsächlich an der Beziehungskonstellation (siehe den nächsten Punkt). Gegen Ende hin fand ich es wieder interessanter.

 

4,5 Sterne

 

Tiefgang:

 

Es geht um Vorurteile und um rigide Regeln, die an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen und Menschen sogar zerstören können. Das sind sicherlich alles interessante Themen. Außerdem ist hier Diversität gut umgesetzt: Die Hauptfigur ist selbstverständlich schwarz (ohne jegliche Stereotype) und Homosexualität ist in dieser Welt etwas Natürliches.

 

Was ich aber schade fand, ist, dass das Fundament der Beziehung zwischen den beiden Figuren nur wenig über körperliche Anziehung hinausgeht. Einerseits ist mir das zu oberflächlich. Andererseits interessiert mich diese Art von Beziehung überhaupt nicht (weswegen ich mir gerade nicht sicher bin, ob die Anmerkung in der richtigen Kategorie platziert ist – gehört das eher unter „Charaktere“ oder „Handlung“?). In der Realität wird es jedenfalls nicht funktionieren, miteinander ins Bett zu gehen und dadurch alle Widersprüche bezüglich Persönlichkeit, Umfeld und Biografie auszuräumen. Im Gegenteil, da blüht oft ein unschönes Ende. Und deshalb hätte ich mir gewünscht, dass die Komplexität, die eine solche Konstellation (also zwischen zwei Persönlichkeiten, die eigentlich auf unterschiedlichen Seiten stehen) tatsächlich in einer Form aufgearbeitet wird, die ihr auch gerecht wird. Hier war mir das zu simpel.

 

3 Sterne

 

Worldbuilding:

 

Der Großteil der Handlung spielt in einer nordischen Tundra. Die Atmosphäre kam dabei gut rüber. Der Rest der Welt bleibt ein wenig undefiniert. Man bekommt zwar noch zwei Städte zu Gesicht, aber nur in sehr kleinen Ausschnitten. Und abgesehen davon, dass es eine Inquisition gibt, erfährt man wenig mehr über das gesellschaftliche und politische System. Ich fand das nicht störend – wir erfahren eben das, was die Handlung voranträgt und das reicht. Man muss aber trotzdem sagen, dass das Buch dadurch nicht unbedingt durch das Worldbuilding in Erinnerung bleiben wird. Denn natürlich sind nun auch Schwarzmagier, Dämonenbeschwörer und Untote nicht wirklich etwas Neues.

 

4 Sterne

 

„Klinge & Blutmagie“ ist nicht schlecht, hat mir aber wieder vor Augen geführt, warum ich um Romantasy in der Regel einen Bogen mache. Es gab im Mittelteil Einiges an Geschmachte, allerdings keine echte Tiefe in der Beziehungsdynamik. Und mit Geschmachte kann ich nun einmal überhaupt nichts anfangen, im Gegenteil. Und entsprechend hat mich dann auch das Buch nicht so ganz abgeholt. Vielleicht ist das persönlicher Geschmack und ich bin einfach die falsche Person für das Buch. Denn, wie gesagt, gutes Handwerk findet man hier durchaus.

 

Gesamtwertung: 4,1 Sterne, macht gerundet 4 Sterne

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