Jim Butcher: Die Elementare von Calderon (Codex Alera 1)


Das Allermeiste an diesem Roman ist gut gemacht. Und auch, wenn das Setting eigentlich interessant ist und auch ein paar gute Ideen vorhanden sind, konnte mich der Roman nie wirklich einfangen. Mir haben die Überraschungen gefehlt.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist sehr professionell. Will heißen: Der Text liest sich absolut glatt, die Dialoge funktionieren, Atmosphäre kommt auf. Manche Passagen fühlten sich für mich aber etwas lieblos an. Ähnlich ging es mir auch bei der Handlung.
4,5 Sterne
Charaktere:
Die Figuren sind ausgearbeitet und überzeugen. Mir wurden ihre Gedanken manchmal zu ausführlich beschrieben, das hat mich etwas gebremst.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Das Buch ist spannend geschrieben – man merkt, dass der Autor Profi ist und genau weiß, wie er die Leser*innen bei Laune hält. Dadurch war der Roman zwar unterhaltsam, aber für mich hat er sich teilweise ein bisschen wie ein Baukasten angefühlt. Ein versiert zusammengebauter Baukasten zwar, aber nichtsdestotrotz eine Aneinanderreihung von vielen konventionellen Elementen. Ich hatte deshalb meistens schon eine Idee, was als nächstes kommt und das hat den Spaß getrübt. Außerdem fand ich die Kapitel von Fidelias nicht recht interessant.
4 Sterne
Tiefgang:
Hier steht Unterhaltung im Fokus, nicht Tiefgang.
Was mir leider gar nicht gefallen hat, ist, dass Frauenkörper immer wieder sexualisiert beschrieben werden (Männerkörper nicht). Wenn es nun nur eine Figur wäre, deren Wahrnehmung nun einmal so ist, wäre das natürlich in Ordnung. Aber hier machen sich ja sogar die Frauen selbst noch schmerzvoll Gedanken darüber, dass ihre Oberweite zu klein sei. Da kann ich ehrlich nur den Kopf schütteln.
Was außerdem auffällt: Jung und schön sind sie natürlich alle, die Frauen. Wenn sie nicht jung sind, dann sehen sie nämlich jung aus. Und sie schmachten ihre Männer an. Auch (oder vor allem), wenn diese viel älter sind. In meinen Augen ist das problematisch.
Man muss natürlich bedenken, dass das Buch nun nicht mehr taufrisch ist. Seit dem Erscheinungsjahr 2004 hat sich das Frauenbild sicherlich verändert. Ob es der Autor heute genauso schreiben würde, weiß ich deshalb natürlich nicht. Fakt ist aber: Diese Aspekte machten das Ganze stellenweise etwas ungenießbar für mich.
2 Sterne
Worldbuilding:
Das Antike-Setting hat mir gut gefallen. Für den Fantasyanteil sorgten dann die Elementare. Allerdings ist Elementarmagie an sich nun nicht unbedingt originell und dass viele neue Wesen erfunden wurden, empfand ich nicht unbedingt als Vorteil. Es wirkte auf mich oft überflüssig und bremsend, weil man als Leser*in Energie damit verschwendet, sich die Viecher zu merken statt sich auf Handlung und Figuren zu konzentrieren. Das hätte ich also so tatsächlich nicht gebraucht und gibt einen halben Stern Abzug.
4,5 Sterne
Ich bin sicher, die Reihe hat viele Fans. Man muss einfach ehrlich sagen: Das hier ist hervorragende Handwerkskunst. Dass das Buch von mir die 5 Sterne aber trotzdem nicht bekommt, liegt zu einem erheblichen Teil an der Frauendarstellung, zum anderen daran, dass es sich für mich im Gesamten betrachtet einfach ein wenig uninspiriert angefühlt hat. Ich fand einfach nichts, was mich wirklich interessiert hätte und so war die Leseerfahrung eher zäh. Deshalb werde ich die Reihe auch nicht fortsetzen.
Gesamtwertung: 3,9 Sterne, macht gerundet 4 Sterne



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