Brent Weeks: Schwarzes Prisma (Licht-Saga 1)


Von Brent Weeks kannte ich bereits die „Nachtengel-Bücher“. Die konnten mich leider nicht überzeugen. Nachdem „Lichtbringer“ von verschiedenen Seiten gelobt wurde, habe ich aber beschlossen, dem Autor noch eine Chance zu geben. Bereut habe ich es nicht: Seit seinem Debüt hat sich der Autor definitiv weiterentwickelt und einen guten Reihenauftakt vorgelegt.
Schreibstil:
Der Text liest sich flüssig und lässt Bilder entstehen. Es gibt an sich keinerlei sperrige Formulierungen, die Dialoge funktionieren gut. Auch hat jede Perspektive ihre eigene Erzählstimme. Leider schwächelt die Übersetzung manchmal (und dadurch wird’s eben doch sperrig). Manche Sätze wirken merkwürdig, man versteht sie irgendwie, aber auf den zweiten Blick ist dann klar, dass sie im Englischen mehr Sinn ergeben (Beispiel: „Er steckte auch die ilytanischen Pistolen in seinen Gürtel. Nur um ein Arschloch zu sein.“ … Ähm, aha?). Es ist inzwischen leider ganz oft bei Fantasybüchern so, dass die Übersetzung oberflächlich ist und einem Text nicht guttut. Deswegen lese ich lieber Bücher von deutschen Autor*innen. Wie dem auch sei, das ist schade, deswegen wollte ich es erwähnt haben, aber ich lasse es in meine Bewertung nicht mit einfließen.
5 Sterne
Charaktere:
Die Figuren sind interessant, ambivalent und besitzen Tiefgang. Der Schreibstil (wie gesagt: eigene Erzählstimme) unterstützt die Figurenzeichnung. Gerade Gavin Guile ist dadurch spannend gestaltet, dass er schwer mit seinen ganz eigenen Dämonen ringt. In Hinsicht auf Kip gehe ich davon aus, dass wir in den Folgebänden einiges an Entwicklung sehen werden.
5 Sterne
Handlung und Struktur:
Die Handlung ist spannend, nimmt sich manchmal jedoch ein paar Längen heraus. Da das Magiesystem relativ komplex ist, gibt es auch immer wieder mal längere Passagen, die dieses (oder auch andere Elemente der Welt) erklären. Mich hat das nicht großartig gestört, aber vielleicht hätte es manchmal etwas kürzer sein dürfen.
4,5 Sterne
Tiefgang:
Gerade Gavins Konflikt ist interessant. Warum tun Menschen Böses? Was ist überhaupt böse? Und was macht das mit einem? Hier bietet das Buch auf jeden Fall spannende Ansatzpunkte, die in den Folgebänden hoffentlich noch weiter entwickelt werden.
4,5 Sterne
Worldbuilding:
Das Magiesystem mit den Lichtwandlern ist interessant und unkonventionell. Das Erzeugen von „Luxin“ ist im Roman so gut beschrieben, dass es absolut glaubhaft und natürlich wirkt. Dazu nimmt das Setting Anleihen an späteren Epochen der Geschichte, so gibt es beispielsweise Pistolen und Kanonen. Ich würde das Setting in Richtung 17. Jahrhundert verorten. Hinzu kommen Elemente, die wohl mehr im arabischen Raum zu finden sind („Satrapen“ und Krummsäbel). Insgesamt also ein origineller Mix.
5 Sterne
„Schwarzes Prisma“ ist ein lesenswerter Reihenauftakt, der vor allem durch ausgestaltete Charaktere und kreative Einfälle besticht. Das Buch ist lang, liest sich dabei aber flüssig und macht Lust auf mehr.
Gesamtwertung: 4,8 Sterne, macht gerundet 5 Sterne



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