Karen J. Luis: Feuersturm (Crown and Empire 1)


Der Roman bedient sich stellenweise recht offen an „Game of Thrones“ und mischt das Ganze mit einer Abenteuerreise. Spannend ist er auf jeden Fall, allerdings schwächeln die Charaktere deutlich.
Schreibstil:
Insgesamt ist der Text flüssig zu lesen. Allerdings gibt es manchmal Perspektivbrüche, für meinen Geschmack zu sehr erklärende Formulierungen oder Wörter (z.B. „Adrenalin“), die nicht so recht ins Setting passen wollen. Auch die Dialoge waren nicht immer ganz glatt. Positiv sind aber bildhafte Beschreibungen und Details, die Atmosphäre erzeugen. Gerade noch 4 Sterne.
4 Sterne
Charaktere:
Die Charaktere sind mein größter Kritikpunkt an dem Buch, denn viele Figuren sind stereotyp: der dümmliche Wüterich, die machtgierige Spinne, der alte Weise. Wer gut und wer böse ist, ist eindeutig. Ich hätte mir hier mehr Komplexität, mehr Tiefgang gewünscht. Dadurch, dass die Figuren oft eindimensional wirkten, war auch ihr Handeln vorhersehbar und bestimmte Verwicklungen wenig überraschend.
2 Sterne
Handlung und Struktur:
Die Handlung ist zu jedem Zeitpunkt rasant und ein Konflikt jagt den nächsten. Langweilig ist das Buch dadurch definitiv nicht.
5 Sterne
Tiefgang:
Es geht hier viel um Intrigen, Macht und Gewalt. An sich ist das Thema ja interessant und komplex. Allerdings hatte ich damit ein Problem: Manipulation, Verrat und Co. funktionieren nur, wenn dahinter Menschen mit Emotionen und Motivationen stehen. Ohne entsprechende Figurentiefe gewann auch das Thema an sich nicht wirklich Tiefgang. Auch die Gewalt wurde in meinen Augen nicht reflektiert, sondern diente nur dazu zu zeigen, wie böse bestimmte Figuren sind. Das ist für meinen Geschmack zu wenig.
3 Sterne
Worldbuilding:
In der Welt werden verschiedene Schauplätze besucht: Mal ist es mediterran, mal geht es ans Meer, ins Gebirge, in Höhlen, Mangroven, Wüste. Dadurch wirkt das Setting vielseitig. Dazu kommt eine Feuerthematik: der Vulkan und der Phönix spielen eine entscheidende Rolle. Hin und wieder gibt es auch konventionelle Elemente und ich hätte mir stellenweise gewünscht, dass die ungewöhnlicheren Schauplätze tatsächlich mehr zum Tragen gekommen wären. Aber insgesamt hat mit das Setting gefallen.
4,5 Sterne
„Crown and Empire“ (warum der englische Titel?) war für mich ein Buch mit viel Potenzial, das leider nicht immer genutzt wurde. Gelungen waren Spannungsbogen und Setting. Beim Schreibstil hätte es noch etwas Luft nach oben gegeben, bei der Figurenzeichnung sogar sehr viel. Das ist schade, weil das Konzept durchaus hätte aufgehen können.
Gesamtwertung: 3,7 Sterne, macht gerundet 4 Sterne
Übrigens: Cover und Titel lassen ein typisches Romantasy-Buch vermuten. Die Verpackung täuscht gewaltig. Hier gibt’s weder Liebe noch Spice.



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